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Zeitreisen im Museum

Museen erfüllen viele Funktionen. Sie vermitteln Wissen und neue Perspektiven, sie können gegen Vereinsamung wirken und zu einer Zeitreise einladen – zum Beispiel mit Senior:innen aus einer Altersresidenz. Ein Rückblick auf einen bewegenden Anlass im Advent, der für einige bereits das erste Weihnachtsgeschenk war.

Es braucht nicht viel für eine Reise in die Vergangenheit. Keine Zeitmaschine, nur ein historisches Telefon oder einen alten Teppichklopfer. Zwischen interaktiven Stationen betrachten die Bewohnenden der Altersresidenz Domicil Schwabgut im Museum für Kommunikation Objekte aus früheren Zeiten und tauchen sofort in ihre Erinnerungen ab. Zum Beispiel an die Sonntage, als man sich noch ohne Telefon durch Rufen über den Balkon zum gemeinsamen Essen verabredete. Oder an die Mutter, die mit dem Teppichklopfer den schönen Perserteppich im Schnee ausklopfte. Oder an die Familienzeit vor dem Radio, um Trudi Gersters Kinderstunde zu hören.

Wie schön ist es, im Tandem mit einer TiMmer:in einen Nachmittag lang in diesen Erinnerungen zu schwelgen und sich darüber auszutauschen. Genau dies ist die Idee hinter «TiM - Tandem im Museum»: Freiwillige Personen aus dem Netzwerk von TiM, sogenannte TiMmer:innen, begleiten Menschen ins Museum, die allein kein Museum besuchen würden oder können. Mit Sozialkontakt und Erinnerungen fördert das Angebot die Gesundheit. Oder wie es auf der Website von Tandem im Museum heisst: 

«TiM fördert niederschwellige kulturelle Teilhabe im Museum und unternimmt wirksam etwas gegen die soziale Vereinsamung. Das Mittel dazu ist das gemeinsame Erfinden einer Geschichte im Museum. Dies führt zu einer aktiven Teilhabe an Kultur und stärkt Kompetenzen wie Dialog,- Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Empathie und Resilienz.»

Zwei ältere Besuchende stehen in der Ausstellung und schauen sich die Zeitreise der Technologie an.
Zwei ältere Besuchende stehen in der Ausstellung und schauen sich Verschiedenste Objekte im Zusammenhang mit Kommunikation an.
Ein Senior und eine Frau stehen in der Ausstellung und sprechen miteinander.
Eine ältere Besucherin und eine Frau stehen in der Ausstellung und schauen sich verschiedenste Objekte im Zusammenhang mit Kommunikation an.

Die Grundidee von TiM entspricht uns als Museum für Kommunikation hervorragend, deshalb sind wir seit dem Anfang mit dabei und führen Anlässe in unserem Haus durch. 

Bereits zum zweiten Mal organisieren wir einen TiM-Adventsanlass mit dem Domicil Schwabgut. An diesem Freitagnachmittag nehmen sieben Bewohnende, begleitet von drei Betreuerinnen, daran teil. Empfangen werden sie von den Kommunikatorinnen Stefanie und Sarah sowie acht TiMer:innen aus der Region Bern.

Nach einem gemeinsamen Einstieg werden Tandems gebildet. Die TiMer:innen knüpfen behutsam Kontakt mit der ihnen zugeteilten Person und erkunden dann gemeinsam mit ihr das Museum. Mit offenen Ohren und viel Fingerspitzengefühl begleiten sie die Senior:innen auf deren Erinnerungsreisen, um zu guter Letzt zusammen zu einem Objekt eine Geschichte zu erfinden. Alle TiM-Geschichten werden auf der Plattform mi-s.ch - musée imaginaire suisse gepostet.

Zwei Senioren sitzen vor den Objekten der Museumssammlung  - vergrösserte Ansicht
Vor allem die zahlreichen Objekte aus unserer Museumssammlung, die im Bereich «Tools» ausgestellt sind, holen bei den Senior:innen viele Erinnungen hervor.

Eine dieser wunderbaren Geschichten ist die von Barbara und ihrer Begleitung Ruth:

«Tatüü-taa-taaa tönte es, als Stefan das Dreiklanghorn des Postautos zum Tönen brachte. Im ganzen grossen Haus hat es unsere Gedanken auf die Fahrten in unsere Erinnerungen mitgenommen. Uns beide auf den sonnigen Schallenberg, hoch über Eggiwil, Barbaras Heimat. Zu jenen Zeiten, wo der Schnee noch 1,5 m hoch lag und Barbara im Wechsel mit den Geschwistern den Hang absauste. Im Wechsel, da das Geld nur für ein Paar Holzski reichte. Was waren das für schöne Zeiten.»

Zum Schluss kommt die Gruppe im Museumscafé wieder zusammen. Die wohlverdiente Stärkung mit Kaffee und Kuchen tut gut, es war ein bewegter und bewegender Nachmittag. Berührend ist auch der Abschied, bevor das Spezialtaxi die Senior:innen wieder abholt. Hände werden gedrückt, Komplimente verteilt: «Schön war es! Toll habt ihr das gemacht – wir kommen wieder.» 

Barbara schwärmt an diesem Nachmittag vor allem vom TiMmer und Kommunikator Stefan, der für sie das Dreiklanghorn des Postautos aktiviert und sie damit in die Vergangenheit entführt hat. «Aber», findet sie zum Schluss, «ich muss sagen, das ganze Personal war sehr nett!». Das Personal war nicht nur nett, es schaut auch selbst auf einen berührenden und bereichernden Anlass zurück. Die zufriedenen Gesichter und die geteilten Geschichten, das sind persönliche Momente, die nachwirken.

Autorin

Sarah Fuhrer, Kommunikatorin, Museum für Kommunikation, Bern

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