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Ökologisches Museum für Kommunikation – It’s a long way ...

Planetopia – Raum für Weltwandel ist mehr als eine Ausstellung, behaupten wir. Und tatsächlich: Das Projekt beginnt sich auf unsere tägliche Arbeit und den Museumsbetrieb auszuwirken. Noch ein bisschen zögerlich zwar. Aber grosse Veränderungen beginnen bekanntlich im Kleinen. Und die ersten Schritte haben wir geschafft.

WO FANGEN WIR AN?

Als das Projekt Planetopia in unserem Museum anlief, drehten sich die Diskussionen in der Kaffeepause und am Mittagstisch oft um unsere Bemühungen, das eigene Privatleben ökologischer zu gestalten. Wie grün sind wir eigentlich selbst, fragten wir uns. Was kaufen wir ein? Was ziehen wir an? Und wohin verreisen wir in die Ferien? Manch eine fühlte beim Essen bisweilen die Schinkensandwichscham ... Bei solchen Kaffeegesprächen – auch darüber, ob es überhaupt noch legitim ist, Kaffee zu trinken – wurde uns auch bewusst: Ein Museumsprojekt, das sich mit ökologischer Nachhaltigkeit beschäftigt, muss auch einen Effekt auf die Arbeit hinter den Kulissen, auf den Museumsbetrieb haben. Andernfalls wären wir ja völlig unglaubwürdig.

Doch wie wird ein ganzes Museum ökologisch nachhaltiger? Ein Betrieb mit klimatisierten Ausstellungsräumen von etwa 3500 m2 Fläche, mit Depots und Lagerräumen und rund 3.5 Millionen Sammlungsobjekten, mit Büros, Werkstatt, Shop und Museumscafé, einem Grossraumwarenlift, zwei Museumsautos und 50 Mitarbeitenden? Wo fangen wir an? Wir vom Projektteam fühlten uns leicht überfordert ... Allein schaffen wir das nicht, war uns klar. Für ein solches Unterfangen braucht es viele Köpfe. Und die haben wir ja auch. Also aktivierten wir das Museumsteam.

PETFLASCHEN IM BÜRO

Eine erste Ideensammlung fand Anfang 2021 mit Delegierten aus allen Museumsbereichen und dem PTT-Archiv statt. Einerseits suchten wir nach inhaltlichen und methodischen Ideen, wie wir Planetopia für das Publikum umsetzen könnten, andererseits nach konkreten Vorschlägen, um unser Museum ökologischer zu machen. Daraus wollten wir möglichst schnell Nägel mit Köpfen machen.

Wir wählten drei konkrete Ideen aus, deren Umsetzung uns einfach erschien: Recycling-Papier im Bürodrucker; die monatliche Lohnabrechnung digital statt auf Papier; kein Mineralwasser in PET-Flaschen mehr im Büro. Bei einer internen Infoveranstaltung wollten wir das Museumsteam abstimmen lassen, welche der drei Ideen umgesetzt werden sollte. Dabei wurden auch Einwände geäussert: Dokumente auf Recycling-Papier sind zum Archivieren problematisch. Beim Lohnblatt per E-Mail ist abzuklären, ob juristische Gründe für ein Papierexemplar sprechen. So fiel die Wahl auf die PET-Flaschen: Wir wollten im Büro und bei Sitzungen künftig nur noch Leitungswasser trinken.

Gut, das lässt sich leicht realisieren, wir bestellen einfach keine Flaschen mehr – dachten wir. Bald stellte sich aber heraus, dass es gar nicht so einfach ist, eine solch simple Idee in die Tat umzusetzen. Es gab Diskussionen. Im Team war das eine oder andere Grummeln zu hören. Die einen fühlten sich bevormundet, andere zeigten sich enttäuscht, dass wir bloss eine so kleine Veränderung mit entsprechend minimer Wirkung anpackten. Also beantworteten wir Fragen, lieferten Erklärungen, argumentierten und informierten über die Umweltbelastung, die der Konsum von Trinkwasser in PET-Flaschen verursacht. Wir berieten die Anschaffung eines Sprudel-Geräts und verwarfen die Idee wieder, weil uns der Betrieb zu umständlich erschien. Stattdessen schafften wir einige Wasserkaraffen für das Sitzungszimmer an – und nun gibt es tatsächlich kein Mineralwasser in PET-Flaschen mehr im Büro. Es klappte schliesslich dank dem freiwilligen Verzicht der Sprudelwasserliebhaber:innen im Haus.

LIFT, LICHTSCHALTER, KUGELSCHREIBER, HAFERMILCH

Wir geben es zu: Der Start war recht holprig. Bei der Mineralwassergeschichte haben wir aber auch etwas Wichtiges gelernt. Nachhaltigkeitsideen, die alle betreffen, müssen aus dem Team selbst kommen, und es braucht viel Zeit und viel Kommunikation, um sie zu realisieren. Der Anfang war geschafft, «ÖMfK» war geboren. ÖMfK steht natürlich für Ökologisches Museum für Kommunikation. Ein schöner Name, fanden wir, und erklärten die interne Partizipation zum zentralen Element unserer Mission.

An einem nächsten Treffen Ende September zeigte sich dann, was im Team möglich ist. Wir stellten die Aufgabe, Massnahmen für ökologische Verbesserungen zu finden, die wir bis Ende des Jahres in die Tat umsetzen konnten. Innerhalb von 30 Minuten entwickelten bunt gemischte Gruppen aus allen Bereichen des Museums sieben konkrete Ideen. So wurde angeregt, dass die Mitarbeitenden über zwei Wochen hinweg in ihren Büros die Raumtemperatur messen und das Wohlbefinden erfassen sollten. Dabei entstanden nicht nur spannende Gespräche über Bedürfnisse und Wärmeempfinden, es wurden auch beachtliche Temperaturunterschiede im Gebäude festgestellt. Und nicht zuletzt fand eine Kontrolle aller Thermostaten durch einen Fachmann statt.

Eine andere Gruppe rückte das Pendeln in den Fokus – das vertikale mit dem Lift und das horizontale zwischen Wohn- und Arbeitsort. Auch das Thema Papier wurde wieder aufgegriffen und verschiedene Möglichkeiten abgeklärt, um Papierverschleiss und Abfall zu reduzieren. Eine Gruppe schlug vor, in bestimmten Räumen die Lichtschalter mit Bewegungsmeldern zu versehen. Könne man machen, meinte der Museumstechniker, schlug aber statt der bequemen technischen Lösung das Anbringen von «Licht löschen»-Hinweisschildern vor. So werde das ökologische Bewusstsein gefördert. Doch, das leuchtete uns ein.

Eine weitere Gruppe widmete sich dem Schreibzeug im Materialschrank. Welche Stifte sind ökologisch sinnvoll? Recherchieren war angesagt, doch nicht einmal Caran d’Ache wusste eine eindeutige Antwort. Also wurden zumindest in allen Büros die verwaisten Stifte eingesammelt (es kamen zwei gut gefüllte Schachtel zusammen). Die noch brauchbaren wurden der Wiederverwendung zugeführt (aha, Kreislaufwirtschaft!), die anderen sinnvoll entsorgt. Auch unser Museumscafé wurde unter die Lupe genommen. Befund: Bezüglich Produkten, Lieferant:innen oder Foodwaste wird im Café bereits sehr bewusst gearbeitet. Und bisweilen sind es die Erwartungen und Gewohnheiten der Gäste, die ökologischen Überlegungen Grenzen setzen. Zum Beispiel, wenn der Cappuccino mit Hafermilch statt Kuhmilch angeboten wird.

Eine ÖMfK-Idee hielt sich nicht an die Regeln: Der Vorschlag, die grafische Sammlung vom 2. Obergeschoss in die Depot-Räume im 3. Untergeschoss zu zügeln, liess sich nicht einfach so bis Ende 2021 realisieren. Für ein solches Unternehmen sind Abklärungen, Sitzungen, Messungen, Pläne nötig. Doch es würde sich lohnen. Wir könnten einen klimatisierten Bereich in einem Teil des Gebäudes aufheben, der grossen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Und wir könnten Bürofläche dazu gewinnen, ein sehr willkommener Nebeneffekt.

ÖMFK WÄCHST

ÖMfK hat einiges ins Rollen gebracht in unserem Haus. Die kleinen, niederschwelligen Massnahmen, die wir realisiert haben, sind nicht weltbewegend – aber genau das ist auch ihre Stärke. Sie wirken sich direkt auf unseren Arbeitsalltag aus, sie versprechen Erfolgserlebnisse und geben das Gefühl, dass wir gemeinsam etwas unternehmen gegen die ökologische Krise. Und das ist, was wir mit Planetopia wollen: Gespräche anregen, Denkanstösse liefern, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und motivieren – für weitere, ein bisschen grössere Ideen. ÖMfK wird wachsen, davon sind wir überzeugt.

Apropos: Wenn Sie Flip-Chart-Blätter nicht der Perforation entlang abreissen, sondern mitsamt dem gelochten Streifen darüber abtrennen, können Sie sie wieder an der Halterung befestigen und auch die Rückseite beschriften. Sie machen das bereits so? Super!

😊

Autor:in

Alexandra Heini, Ausstellungskuratorin, Museum für Kommunikation, Bern.

Ulrich Schenk, Ausstellungskurator und Projektleiter, Museum für Kommunikation, Bern.

Fotos

Diaz Guler und Patrik Hux, Museum für Kommunikation, Bern.

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