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Museum X Hotel

Was geschieht, wenn ein Museum auf ein Hotel trifft? Das Museum für Kommunikation und das harry’s home Hotel Bern haben es ausprobiert und ein unkonventionelles Hotelzimmer geschaffen. Die Entstehungsgeschichte einer temporären Unterkunft, die gleichzeitig in die Welt der Kommunikation entführt.

Gemäss Schweiz Tourismus gab es im letzten Jahr 44'000’000 Hotelübernachtungen in der Schweiz. Bei mir persönlich sind es ein bisschen weniger, aber auch ich habe schon in einigen Hotelzimmern übernachtet. Bleibende Erinnerungen haben die wenigsten hinterlassen. Dieser temporären Bleibe haftet oft etwas Konturloses an – sich wiederholende Funktionalität auf engem Raum. Die positive Überraschung ist selten. Im besten Fall schmiegt sich das Hotelzimmer unauffällig an meinen Besuch in einer fremden Stadt. Hängen bleiben am ehesten die Ausreisser gegen unten: Die steinharte Matratze in Florenz, das verstopfte Lavabo in der Absteige in Paris, die ungebetenen Krabbeltiere in Singapur.

Geht das auch anders? Diese Frage stellt sich im Sommer 2025, als Laura Canelli auf mich zukommt. Sie leitet das harry’s home hotel Bern/Ostermundigen und hat sich gefragt, was in der Schnittmenge zwischen Museum und Hotel Spannendes entsteht. Können wir zusammen ein Übernachtungsangebot schaffen? In Gedanken gehe ich zurück ins Jahr 2017. Mitten im Umbau haben wir damals das leere Museum für Kommunikation für eine Nacht zum Hotel gemacht. Sechs Glückliche durften in den Museumsräumen übernachten (300 haben sich beworben) – inklusive Unterhaltungsprogramm, Abendessen und Frühstück im Bett. Ein einmaliges Erlebnis! Aber auch aufwändig und schnell wieder vorbei.

Der Flyer zur Aktion Nachts im Museum: Ein Foto des Museums im Dunkeln, nur ein einzelnes Fenster leuchtet in die Nacht hinaus.
In einem grossen dunklen Raum ist in einiger Entfernung ein Bett mit zwei Personen zu sehen, erleuchtet von einer Ständerlampe.
Im leeren Ausstellungsraum steht ein leeres Bett mit Duvets und Kissen, dahinter eine Ständerlampe und im Hintergrund zwei weisse Säulen vor einer schwarzen Wand.
Neben einem Bett steht ein Silbertablett mit dem Frühstück.

Lauras Anfrage weckt die Lust, weiter zu denken, statt Bekanntes zu wiederholen. Wir drehen also den Spiess um. Das Hotel war schon im Museum. Ganz klar, jetzt muss das Museum für Kommunikation ins Hotel! Gelingt es uns, ein Zimmer zu gestalten, das mehr bietet und damit nachhaltig in Erinnerung bleibt?

An Ideen mangelt es nicht. Schnell haben wir einen ganzen Strauss an Überlegungen zusammengetragen. Es kommen die entscheidenden Fragen: Was ist machbar? Was ist bezahlbar? Definitiv nicht mein Lieblingsmoment in Projekten. Allerdings auch einer, der früher oder später immer kommt. Und er zwingt einem immer zu fokussieren. Was ist wichtig? Wo stecken wir unsere Energie rein? Die Unterstützung von Heidy-Jo Wenger (heidy-jo.ch) ist bei diesem Schritt hilfreich. Als erfahrene Szenografin und Bühnenbildnerin hat sie eine gute Vorstellung der Umsetzung im Raum. Anders als bei einem leeren Ausstellungraum ist es im Hotelzimmer herausfordernd zu beurteilen, wie viel Inhalt es braucht, um dem Raum eine neue Dynamik zu geben, ohne die Funktionalität zu stark einzuschränken. 

Blick in ein Hotelzimmer mit Extras: Ein Kassettenrekorder auf einem Tischchen, eine Leuchtschrift an der Wand und von der Decke hängt ein Käfig mit einem Hirn drin.
Ein Mann und ein Kind probieren eine historische Postuniform an.
Eine Frau und ein Kind betrachten etwas an einer Wand - das Kind mit einer grossen Lupe.

Ich sammle Inhalte und schreibe Texte. Heidy-Jo fügt das alles zusammen in einem stimmigen Raumerlebnis. Laura ergänzt mit zusätzlichen Ideen und plant die Kommunikation. Gemeinsam tragen wir historische Mobiltelefone zusammen, suchen Speichermedien. Wir finden eine Postuniform, Mixtapes und eine Leuchtschrift. Zu dritt entwickeln wir dieses Konzept für ein einmaliges Hotelzimmer. Immer noch ein Hotelzimmer, aber eines zum Entdecken! Es bietet nicht nur eine temporäre Unterkunft, sondern entführt gleichzeitig in die Welt der Kommunikation – überrascht und regt zum Nachdenken an. 

Anfangs April 2026 ist es so weit: Wir eröffnen das Museumszimmer im harry’s home hotel feierlich und übergeben den ersten Gästen die Schlüsselkarte zum Zimmer. «Extrafahrt» steht passend an der Zimmertür – ein historisches Postautoschild lädt ein zu einem kleinen Abenteuer. Ob das Erlebnis hängen bleibt? Wir werden es sehen. Die erste Reaktion ist jedenfalls schon einmal vielversprechend: «Eine super Idee!» Mir genügt es fürs Erste, die Neugierde und grossen Augen der Gäste beim Betreten des Zimmers zu sehen.

Autor

Nico Gurtner, Leiter Marketing & Kommunikation, Museum für Kommunikation, Bern

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