Mehr Zugang – für alle
Inklusion ist eine tolle Sache, vor allem man sie nicht selbst umsetzen muss. Denn das Thema ist auch eine Herausforderung – hohe Erwartungen, viele Baustellen und fehlende Mittel können schnell die Motivation knicken. Wir versuchen hier aufzuzeigen, wie man dennoch vorankommt. Fünf Schritte zu mehr Inklusion.
Kultur soll für alle da sein. Doch wenn es um Inklusion, Barrierefreiheit und Zugänglichkeit geht, stehen wir alle vor grossen Herausforderungen. Das kann lähmen und verhindern, dass man sich überhaupt mit dem Thema befasst.
Sollte es aber nicht. Denn damit ist niemandem gedient. Weder deiner Kulturinstitution noch den zahlreichen Menschen mit Behinderungen. Wie also soll man dieses Thema angehen, ohne sich von den vielen Erwartungen und teilweise klaren Forderungen demotivieren zu lassen, vor diesem Berg an Arbeit, der da auf einem zukommt? Im Grunde ist das nichts Neues: Das Ziel scheint weit weg und der Weg lang und steinig. Die beste Strategie ist in diesen Fällen, nicht auf das Ziel zu fokussieren, sondern auf den Weg. Mach die ersten Schritte, blicke zurück und stelle fest – es hat sich schon etwas verändert!
Um erste Schritte für die Zugänglichkeit einer Institution zu erleichtern, haben wir auf Basis unserer Erfahrungen hier ein mögliches Vorgehen skizziert. Im Idealfall hilft es, den Einstieg in die Thematik zu vereinfachen. Und es soll erste Erfolge ermöglichen. Denn Erfolge sind zentral – nur mit ihnen kommt die Motivation, weiterzufahren. Ganz nach dem Motto: Getrau dich – wenig tun ist besser als nichts!
Der erste Schritt
Der Weg zu mehr Inklusion ist lang. Aber das Gute ist: Es gibt einen Weg – es gibt sogar ganz viele Wege! Niemand muss hier die Welt neu erfinden. Der erste Schritt ist deshalb scheinbar einfach. Es geht lediglich darum, die innere Bereitschaft zu haben, sich auf diesen Weg zu machen. Dazu muss man akzeptieren, dass es in diesem Bereich noch ein Defizit gibt, dass sich meine Institution hier noch weiterentwickeln kann. Das klingt simpel, kann in der Realität allerdings herausfordernd sein.
Es gibt zu jedem Zeitpunkt zahlreiche andere Projekte, die gerade jetzt unbedingt umgesetzt werden müssen. Mit denen steht Inklusion zwangläufig in Konkurrenz um Personal- und Geldressourcen. Diesen Fakt muss man anerkennen, damit man dann den richtigen Umgang damit finden kann. In den meisten Fällen hilft es deshalb mit kleinen Schritten zu starten. Und es ist wichtig, dass sich genügend Mitarbeitende im Kulturbetrieb dafür interessieren – vor allem auch in der Leitung. Denkt dabei stets daran: Inklusion öffnet die Türen für neue Besuchende und unterstützt solche, die schon da sind! Und wer möchte schon nicht, dass sein Haus noch mehr zufriedene Gäste verzeichnet? Na also.
Den Zyklus starten
Um mit dem Thema Zugänglichkeit zu starten, lohnt es sich, erst mal genauer hinzuschauen. Am Anfang steht deshalb die Auseinandersetzung mit dem eigenen Publikum. Wer ist schon da? Wer würde womöglich gerne kommen, wenn wir gewisse Hindernisse abbauen? Sich vertieft mit den eigenen Besuchenden zu befassen, das lohnt sich natürlich auch für viele andere Arbeiten und Projekte im Haus.
Mit diesen ersten Erkenntnissen fällt es nun deutlich leichter festzulegen, wo man als Erstes handeln möchte. Denn grundsätzlich gibt es in fast allen Institutionen sehr viel bezüglich Inklusion, das in einer idealen Welt angepackt werden sollte. Darin steckt aber ein grosses Frustpotential. Es ist deshalb wichtig, den Handlungsbereich einzuschränken und einen Fokus zu setzen. Damit wird das Thema übersichtlicher und handhabbarer. Vielleicht hat sich kürzlich ein Verband für Schwerhörige und Gehörlose gemeldet? Von einer Massnahme könnten in diesem Fall auch zahlreiche ältere Menschen profitieren, deren Gehör eingeschränkt ist. Oder sie haben regelmässig Gäste mit Migrationshintergrund? Kurze und einfache Texte sind auch für alle anderen Besuchenden attraktiv. Eine Gruppe zu wählen, die bereits da ist oder Interesse anzeigt, stellt sicher, dass beide Seiten von Massnahmen profitieren.
Nun wo du weisst, in welchem Bereich du handeln willst, findest du meist auch schnell Ideen für Massnahmen. Als Hilfe oder Unterstützung können direkte Kontakte mit der Zielgruppe hier sehr hilfreich sein (und der Austausch mit anderen Institutionen). Das erweitert den Horizont und gibt neue Einblicke ins Erleben deiner Gäste. Für die Umsetzung der Massnahmen hilft wie immer ein Zeitplan und vielleicht sogar finanzielle Unterstützung einer Stiftung. Es gibt Stiftungen, die sich gezielt für Inklusionsmassnahmen engagieren.
Tuet Gutes und Sprich darüber, heisst es jeweils. Das stimmt natürlich auch für die Massnahmen im Bereich der Zugänglichkeit, allerdings mit einem gewissen Vorbehalt. Wie wir anfangs festgestellt haben, ist der Weg zu mehr Inklusion lang. Es ist demnach nicht empfehlenswert nach den ersten Massnahmen bereits vollmundig zu kommunizieren. Das weckt Erwartungen, die dann nicht erfüllt werden können – ein frustrierendes Ergebnis. Aber mit dem nötigen Feingefühl kann man viel über die eigene Arbeit auf dem Weg zu mehr Inklusion, die Herausforderungen und auch die Erfolge erzählen. Es geht nicht um Werbung, sondern um authentische Einblicke in die Arbeit.
Mit der Kommunikation schliesst sich der Kreis fürs Erste. Gratuliere, du hast das Thema angepackt und die erste Runde erfolgreich abgeschlossen! Du darfst dir gerne mal kurz auf die Schulter klopfen, schliesslich bist du mindestens einen Schritt weiter. Und nun beginnt der Zyklus wieder von vorne. Eine kurze Evaluation des Erreichten, dann kann man sich wieder mit den Zielgruppen befassen und neue Ziele setzen. Schritt für Schritt, weiter auf dem Weg zu mehr Zugänglichkeit. Und plötzlich öffnen sich Türen…
Um den Einstieg zu erleichtern haben wir ein kleines Toolkit zusammengestellt:
Autor
Nico Gurtner, Leiter Marketing & Kommunikation, Museum für Kommunikation, Bern
Dank
Herzlichen Dank an Sara Stocker Steinke (www.inkluseum.ch) und Reporter:innen ohne Barrieren (www.rob.ch) für den anregenden Austausch!