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Kolumnenserie Lull&Lall

Zweifel (Nr. 47)

Ich knabbere beim Apéro an Genera-Chips und lass mich ablenken von einer Meldung, die reinregnet via einem sozialen Kanal. Ich öffne die Meldung und zweifle. Was! Was steht denn da? Ich kann es nicht glauben und zweifle. Glaube und Zweifel waren sich nie einig, denn der Zweifel wurde von Gläubigen lange als Sünde und Übel betrachtet, weil es zur Verzweiflung führe. Der Zweifel gilt heute nun ja als Voraussetzung für Erkenntnisgewinn. Anders ausgedrückt: wer zweifle, glaube an (eine) Wahrheit.

Da haben sich zwei Extreme also gefunden! Wer glaubte, zweifelte nicht und wer heute nun zweifelt, glaubt!

Ergo, zweifle ich.

Da steht nämlich:

«#selflove – Liebe fängt bei dir selbst an! 10 Tipps für den Beginn einer lebenslangen Romanze, die bestimmt nie ihr Knuspern verliert:

1 Akzeptiere dich und vergleiche dich nicht mit Anderen

2 Hör auf, dir Gedanken über die Meinung anderer zu machen

3 Erlaube dir, Fehler zu machen

4 Wertschätze deinen Körper

5 Lass die Menschen los, die dir nicht guttun

6 Sei dankbar

7 Nimm dir regelmässig Zeit für dich

8 Sprich positiv von dir und lobe dich

9 Hör nie auf, an dir zu arbeiten

10 Glaube an dich»

 

Tönt nach Aufforderung an das Persönlichste eines Individuums, das sich auf der Matte in einem Yogastudio entspannen soll vor dem eigentlichen Dingsda.

Zweifel sind also angebracht! Ja, berechtigt, wie sich herausstellt, wenn ich in der Übersicht nun den ganzen Beitrag abscanne.

«Willkommen auf der offiziellen Facebook Seite von Zweifel Chips. Als Liker erfährst du immer zuerst von Wettbewerben, neuen Produkten sowie Events und profitierst von exklusiven Facebook Specials!

Weniger anzeigen».

 

Man soll nicht schwören und man soll nicht falsch gegen den Nächsten aussagen. Ich schwöre also nicht und ich sage nur die Wahrheit, getreu den 10 Geboten*, die einzuhalten ich beabsichtige, wenn ich mich in christlicher Nächstenliebe betätigen möchte.

Aber zugegeben, es fällt mir schwer, den Namen dieses «Anbieters» nicht zu verunehren.

Und ich beruhige mich schnell, weil mir ein Slogan in den Sinn schiesst, der für unsere Zeit als Paradebeispiel steht:

«Omnia Omnibus Ubique» (Alles für alle überall). Steht so in grossen Lettern an der Fassade bei Harrods in London, einem der grössten Warenläden der Welt.

Bleibt mir nur noch, mich französisch aus dem Staub zu machen: «Chacun à sa façon!»

 

 

Dominique

 

*

1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.

3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.

4. Du sollst Vater und Mutter ehren.

5. Du sollst nicht töten.

6. Du sollst nicht ehebrechen.

7. Du sollst nicht stehlen.

8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.

Genderey (Nr. 46)

Nach der 68-er-Bewegung geriet die «Frauenwelt» in Bewegung. Mit ihr «Das Deutsche als Männersprache». Luise F. Pusch pushte darin das erbärmliche Deutsch. Alice Schwarzer zeigte den Männern zudem den Stinkefinger und Verena Stefan deutete und häutete sich als erste bewegte Frau, die antrat zu dem, was bald als «Frauenliteratur» boomte, obwohl es doch schon immer auch Literatur von Frauen gab. Egal.

Und es wurde rege diskutiert in sogenannten Frauengruppen, wo auch Männer zugelassen waren, nicht wie in Berliner Frauenbuchläden, wo Mann per Du abgewiesen wurde.

Da waren Themen wie:

Sprache als Macht – Gerechte Sprache / Rassismus – einschliessen / ausschliessen – Mitgemeintsein usw.

Erste Versuche für eine veritable Sprachreform, wie sie heute unter dem Grossstichwort «Gender» wieder anstehen.

Die Welt hat sich unterdessen verändert, das Individuum wurde gestärkt, vieles erscheint heute alltäglich, was damals durchaus anders war.

Teilerfolge, ja. Aber in sprachlichen Dingen sind wir wenig vorangekommen. Die Probleme unter den Geschlechtern werden einmal mehr wieder heiss diskutiert. Ideen, Vorschläge, Anregungen – Altes und Neues – grassieren im Netz, werden kurzerhand als Lösungen adaptiert, um wieder verworfen zu werden.

Das «Binnen-I», das doch lange als Lösung schien, hat schliesslich ausgedient. Die konsequent-alternierende Geschlechternennung (die Pilotin, der Krankenbruder) hat es auch nicht geschafft.

Dann kam der Doppelpunkt: «Ich hab letztens unsere Oberbürger:innenmeister:in auf dem Bürger:innensteig getroffen, da kam sie von einer Veranstaltung über den Schrecken, den Nationalsozialist:innen verbreitet haben. Sie wollte anschließend noch in ein Mensch:innenhaus, in dem sie mit Opfern von Vergewaltiger:innen sprechen wollte.»

Und schliesslich sind wir – wieder einmal – bei einer Lösung angelangt, die an die Einfachheit des Esperanto erinnert: dem «Gender-Y».

 

Endlich sind – sprachpluralistich und geschlechtstneutral – alle Menschen tatsächlich durch Ausschluss «mitgemeint», auch die «Anderen», jene, die sich nicht als Mann oder als Frau fühlen.

 

Also können wir nun spornstreichs die noch «feineren Sprachprobleme» angehen.

Ein Beispiel als Anregung oder Denkaufgabe für heute: Mitglieder einer Frauenmannschaft.

Frauys können – wenn man es korinthenkackerisch betrachtet – keine Mitglieder sein. Auch werden sie nie ein Glied in der Kette in einer Mannschaft (mehr) sein.

Dafür werden Mannys sprachlich etwas in die Wüste geschickt. Glaubt man nämlich den Auguren, wird wohl das «man» in jemand umgedeutet zu: jemenschd.

Wird es nicht, ich weiss. War nur Spass!

Aber eben, wir stehen vor grossen Sprachproblemen, die – hoffentlich – schon in der Keimzelle der Gesellschaft von den künftigen Mamys und Papys an ihre Kindys eingegeben werden: nicht wie Muttermilch, sondern wie Elternmilch!

Hoffen wir es.

Und bleiben gespannt, wie Frau Herrmann sich in Zukunft angesprochen fühlt: ob als Frau Herrmann wie bis dato oder konsequent durchdekliniert als Frau Fraufrau …

 

 

Dominique & Dominique

Sextanten (Nr. 45)

Ich seh sie, wie sie durch meine Kindheit navigiert und die Kapitäne auf den Kommandobrücken der Familienfeste herumkommandierte.

«Tont Lüssi» hiessen wir sie alle, wenn sie zu Besuch kam – über den Röstigraben hinweg – in die Deutschschweiz.

Die Kinderschar freute sich immer über die aussergewöhnliche Huttracht, die Tante Lussy aus dem Welschland mitrübersegelte.

Auch Tante Eva – wir Kinder durften sie nur welsch anreden als «Tont Ew» – war alles andere als ein Moralapostel. Sie hat dieses Wort immer auch selber verwendet. «Sie sei kein Moralapostel. Ja!» Dabei verschluckte sie öfters den Vokal «A» und liess es bei «Morl-Postel» bleiben!

Auf jeden Fall waren die beiden Tanten sehr eigenwillige Personen, die gerne im Mittelpunkt standen. Und da ihr «Liebesleben» anders verlief als im trauten Familienkreise gewohnt, wurden sie nach ihrer Rückreise oder beim Betrachten von Fotoalben auch als «Sextanten» bezeichnet.

Schöne Bescherung: mit Sextanten durch das Meer der Erinnerungen zu navigieren…

 

 

Dominique

Ganz einfach Sprache (Nr. 44)

Es gibt Wörter (oder Worte?)*, Begriffspaare, Wendungen oder Dingedinge, die kann ich einfach nicht auseinanderhalten. Schlimmer noch: Ich meine jedes Mal, ich kenne die Bedeutung, weiss indes genau, dass ich besser ein weiteres Mal nachschlagen sollte, um den genauen Sinn zu verstehen:

Serendipity, Jerobam, Schwerenöter …

Oder Begriffspaare: Leichte Sprache – Einfache Sprache; kurzsichtig – weitsichtig; konkav – konvex.

Kind und Kegel; oder eben: Untiefe …

und mehr und mehr …

Sie wissen, was ich meine und also verzichte ich an dieser Stelle auf «Erläuterungen».

Auch kann ich nur schwer auseinanderhalten was «Food-waste» von «Food-loss» unterscheidet, obwohl es doch klar die Sache benennt: Verschwendung und Verlust von Futter für die Menschheit. Beides sind Verluste, die indes unnötig und unterschiedlich zustande kommen.

Genau ähnlich geht es mir bei «Einfache Sprache» und «Leichte Sprache». Ich frage mich immer, was denn der Unterschied sein könnte zwischen einfach und leicht? Ist «Leichte Sprache» nicht einfach auch einfach? Dass «Einfache Sprache» nicht leicht ist, das ahne ich dann aber schon auch. Wieso aber heisst es nicht «einfach und einfacher» oder «Leichte Sprache und Federleichte Sprache»?

Weil die beabsichtigte Unterscheidung nichts mit einer Steigerung zu tun hat?

Oder weil Sprache nur dann federleicht sein kann, wenn sie eben einfach ist?

Deshalb: einfach – leicht; und keine Steigerung von einfach zu einfacher resp. leicht zu leichter. Wäre ja zu schön gewesen, wenn die Feder als das Symbol für Schriftlichkeit weiterhin Verwendung fände in diesem Zusammenhang, auch wenn heute niemand mehr mit der Feder schreibt!

Um zu «begreifen» und zu verstehen, was sich wie unterscheidet – sprachlich, habe ich mich einer Übung unterzogen.

 

Das einfache Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus. Die meisten Menschen mit Corona werden nur leicht krank. Aber es gibt Menschen, die schwer erkranken, vor allem Menschen, die besonders gefährdet sind. Diese Menschen müssen oft auch ins Spital und können am Corona-Virus sterben.

Die Corona-Impfung schützt uns Menschen vor schwerer Erkrankung und hilft, dass weniger Menschen sterben.

 

Das leichte Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus.

Die meisten Menschen mit Corona werden nur leicht krank.

Aber es gibt Menschen, die schwer krank werden.

Vor allem Menschen, die besonders gefährdet sind.

Diese Menschen müssen vielleicht auch ins Spital.

Oder sterben daran.

Darum gibt es die Corona-Impfung.

Damit möglichst wenig Menschen schwer krank werden.

Und damit weniger Menschen sterben.

(Originalbeispiel aus dem Internet)

 

Das federleichte Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Weil es Corona gibt.

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus.

Also einfach impfen gehen.

 

Ganz einfach kann Sprache sein.

Und das soll sie auch sein.

Ganz einfach.

Wort um Wort.

 

Einfachst:

«Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Jah!, Drämmli, uf de warty nämmli!»

(Schnitzelbank an der Basler Fasnacht von «Ankeblüemli», 1973)

 

 

Dominique

 

*Vgl. Lull&Lall: Nr. 38: Das Wort haben die Wörter

Hans was Heiri (Nr. 43)

Onkel Hans erzählt gerne von seiner Jugend. Ich hab ihn deshalb einmal gebeten, mir eine Fotografie zu zeigen, auf der er mit seinem Zwillingsbruder abgebildet ist. Und weiter, ob er mir ein paar Zeilen aufschreiben könne, die sinnbildlich seien für seine Erziehung in der Grossfamilie.

Nun kam Post von Onkel Hans. Eine Foto mit Kommentaren in feinsäuberlicher Handschrift:

«Ich bin der Hans an der Seite meines Zwillingsbruders Heiri. Selbst Mutter wusste manchmal nicht, welcher jetzt der Heiri oder der Hans sei!

Da tönte es dann öfters: ‚Heiri-Hans‘ oder ‚Hans was Heiri.‘

Wir beide waren bis zur Erstkommunion stets gleich angezogen und fröhliche Jungs.

Ich bin also der Hans an der Seite meines Bruders Heiri. Je nach Standpunkt des Betrachtens der Foto: Entweder auf der linken oder eben auf der rechten Seite! Für Mutter und meinen Bruder links, für Dich, mein lieber Neffe, also rechts!»

Typisch Onkel Hans.

«‘Hans was Heiri‘ war einer der Lieblingsredewendungen unserer Mutter. Sie hat ihr Leben, also das Familienleben, danach ausgerichtet. Wer mit Streiten angefangen hat, das war ihr Hans was Heiri, denn sie lebte nach dem Grundsatz: «Alle Menschen sind gleich». Also sollen sie miteinander auskommen. Basta! Das war nicht bloss mütterlicher Instinkt, der 10 Kinder und einen Ehemann unter einen Hut zu zaubern hatte. Mutter hat immer aufs Ganze geschaut und nicht aufs Detail. Das baute auf Tradition und gehörte zur Tagesordnung, auch wenn die Streithähne sich manchmal ungerecht behandelt fühlten.»

Wäre heute wohl kaum mehr durchzusetzen, da Hänschen-Klein in Mutterns Grosslimousine zur Schule gefahren wird.

«Trotz diesen – im Vergleich zu heute – forschen Erziehungsmethoden sei aus den Zwillingen und den andern Geschwistern ‚was geworden‘», schreibt Onkel Hans weiter. Und zitiert eine alte Redensart: «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!»

Und fährt dann weiter: 

«Ist heute etwas aus der Mode gekommen – ich weiss – wo der galoppierende Individualismus den Hans zu John und den Heiri zu Henry umgetauft hat.

So oder so. Same difference – wie die Engländer zu sagen pflegen – also gehupft wie gesprungen oder Hans was Heiri.

Denn, Mensch bleibt Mensch, auch wenn er modern und aufgeschlossen daher kommt.»

Alte Schule, gewiss. Aber mit einem Korn Wahrheit, die wohl auch Little John wird erfahren werden müssen?

So oder so … 

 

 

Dominique

Auf den Hund gekommen (Nr. 42)

Auf den Tag genau vor 3 Jahren war es: Ein Freund liegt im Sterben. Er ist so klar im Kopf wie immer. Wir unterhalten uns wie immer, nur mit Unterbrüchen, damit er sich dösend erholen kann. Dann kommt er auf unser seit langer Zeit geplantes Projekt zu sprechen: Ein Kochbuch mit selbsterprobten Rezepten. Dazu Kommentare und Anekdoten. Leibspeisen in Zeiten von Veganismus und Co. Ein Kochbuch aus Papier, zum Blättern und Schmökern.

Der Freund ist gegangen, viel zu jung und ohne dass wir das Projekt gestartet haben.

Er wäre der Koch gewesen, ich hätte ihm zugeschaut und seine Vorschläge mit Texten gewürzt.

Nun fehlt er mir und ich versuche mich in der Kunst seiner Küche zu orientieren. Die Nachahmung bleibt etwas leblos und ist ein einsames Geschäft.

Deshalb bin ich auf den Hund gekommen! Also zufällig auf diesen Pudel gestossen bei der Internetsuche mit dem Stichwort «coocking with …»

Ich suchte Jamie und stiess auf «coocking with dog».

Angeklickt und war in einer Welt, bizarrer sie nicht sein könnte.

Eine Frau begrüsst mit einem Kotau. Sie heisst «Der Chef». Rechts von ihr sitzt er, ein Pudel, auf der Höhe der Arbeitsfläche, etwas zurück versetzt. Tut nichts als Sitzen und ab und zu mit seinen Ohren spielen. So scheint es.

Die Köchin – also Der Chef – arbeitet das Rezept durch. Ein Kommentator begleitet in radebrecherischem Amerikanisch.

Der Pudel sitzt da und tut nix! So scheint es.

Aber nein, er tut was.

Denn das ist des Pudels Kern: Er ist es, der kommentiert. Als Bauchredner!

Ist das die neue Form von «Kochbüchern»?

Wer weiss, wir beiden hätten am Schluss doch noch ein modernes Kochvideo als Serial gestartet! Der Koch begrüsst in Mundart, neben ihm, leicht zurück versetzt, …

 

Dominique

Ferien in Omphalos (Nr. 41)

Letzthin traf ich eine gute Bekannte von mir. Im Aussenraum, auf einer Garten-Terrasse, da die Gastronomie Wiedereröffnung feiern durfte. Wir beiden feierten mit. Wir tratschen und freuten uns über dieses und jenes. Über die kleinen Freuden und Leiden des Alltags eben.

Ich: «Endlich die freie Zeit wieder draussen geniessen dürfen.»

Sie: «Endlich wieder Ferien planen!»

«Du planst echt Ferien?»

«Ja.»

«Wo soll es denn hingehen?»

«Nach Omphalos.»

Das kam wie aus der Kanone geschossen. Und weil ich sie gut kenne, wusste ich, sie will mich verscheissern und also spielte ich etwas mit.

Ich: «Omphalos? Also Griechenland, oder?»

Sie: «Du hast es erraten!»

«Und keine Quarantänepflicht da unten?»

«Weiss nicht. Ich hab da ein Häuschen, sieht aus wie ein Stöckchen.»

«Aha. Wie ein «Stöckli», würde man hier sagen.»

«Ja.»

«Also nicht in Omphalos, eher in Madiswil, Mötschwil oder so?»

«Schlitzohr*, du hast es fast erraten!»

«Wusst ich es doch! Omphalos – dein Nabel der Welt – liegt doch in der Nähe von Hinterfultigen!»

«Kalt, nicht mal lauwarm. Aber du kannst gerne etwas weiter rätseln.»

«Ach du und deine Spielchen. Raus damit. Wohin denn nun?»

«Rüti.»

«Hmm?»

«Rüti bei Lyssach.»

«So!»

«Rüti b. Lyssach b. Burgdorf.»

«Aha!»

Um endlich mit einem Verslein präzisieren zu dürfen, einer Leier, die sie wohl aus Gewohnheit schon öfters rhythmisch daher gesagt hat:

«Rüti b. Lyssach b. Burgdorf b. Bern.»

«Alles klar ...»

Also Rüti, alias Omphalos, alias Nabel der Welt.

 

Dominique

* Gibt es dazu eigentlich auch einen gendergerechten Ausdruck?

Aus Alt mach Neu (Nr. 40)

Heute gibt es keine Telephone mehr, allenfalls noch Telefone. Aber auch das ist nicht mehr korrekt, es sei denn, man zitiere aus der Vergangenheit resp. aus der Vorvergangenheit, als das «ph» korrekt noch den «Ton» wiedergab, der über Distanzen vermittelt wurde.

Telefone nennt man heute in der Regel Handys, aber gemeint sind meistens Smartphones (wieder mit «ph»!!), also smarte Telefone, die auch noch telefonieren können.

Als das Telephon noch ein Telephon war und über ein Netz mit unzähligen Leitungen daher kam, war das Leben noch nicht derart auf den Punkt getrimmt. «Telefonischer Schlendrian» könnte man das aus heutiger Sicht bezeichnen; es herrschte etwas Gelassenheit bei der «fernmündlichen Korrespondenz», auch wenn das Telephon «teuer» war. Nur im Hintergrund – an den Vermittlungspulten – herrschte emsiger Betrieb in Spitzenzeiten, was heute als Stress bezeichnet würde.

Mit den Smartphones soll Telefonieren billiger geworden sein und das Leben einfacher … (auch bei der Vermittlung, weil automatisiert und mit digitaler Vielfalt) frei nach dem Motto: «easy going is the way things are» oder weniger easy: «This is the way things are» (ins Althochdeutsche übertragen mit: Das ist der Lauf der Dinge).

Nur, nicht alle schaffen den Sprung in die ungebremste Modernisierung des Telefons. Wer mit der Wählscheibe gross geworden ist, ruft nicht nach seinem Smartphone, wenn «gekabelt» oder zum «Hörer gegriffen» werden soll!

Denn auch unsere Sprache hat ein Problem damit. Sie hinkt immer etwas hinterher oder wirkt manchmal etwas unbeholfen, wenn sie Dinge benennen muss, die sich wandeln oder gewandelt haben, obwohl sie immer noch das Selbe tun. Telefonieren zum Beispiel.

Telefonieren bleibt telefonieren, egal über welches Medium. Wie aber kann unsere Sprache ein Medium korrekt benamsen, das weit mehr als zum Telefonieren eingesetzt werden kann? Und: Was wird aus den Telephonen resp. Telefonen, mit denen man «nur» telefonieren konnte?

Da wird dann öfters einfach getrixt mit schmückenden Beiwörtern wie «Smart-Phones», da wird aber auch präzisiert für die «Video-Telefonie» oder nachgebessert mit Retronymen wie z.B. «Wählscheibentelefon».

Der Lauf der Dinge im Lauf der Zeit: Telephon – Telefon – Wählscheibentelefone – Tastentelefone – Mobiltelefone … Und daraus folgt dann auch, dass aus dem Netz ein «Fest»-Netz und ein Mobilfunknetz sprachlich entstanden sind, dass, weil es einen Farbfernseher gibt, es auch einen Schwarzweissfernseher geben muss (obwohl niemand den Fernseher in der Frühzeit mit so einem Monsterwort betitelt hätte!).

Das Alte passt sich dem Neuen an, damit es sprachlich überlebt. Das Alte wird modisch geliftet und kriegt ein neues Mäntelchen umgehängt. Es ist wie bei den Rufnamen, die aus Erika eine Rica erstehen lassen, eine Alex aus Alexandra … 

Aus Alt mach Neu. Das ist der Lauf der Dinge, the way things … 

Alles ändert sich.

Nur Dominique bleibt Dominique!

 

Dominique

Life is not live, sometimes (Nr. 39)

Fussball ist nicht so mein Ding, ausser heute, weil ausserordentlich.

Ich bin auf 18 Uhr zu Besuch bei den Eltern; erst Apéro, dann Abendessen.

Nach der Begrüssung muckt Vater etwas rum. Die Schweiz fussballe heute gegen Bulgarien.

«Schau du nur. Nach der ersten Halbzeit hast Du dann genug, – wie immer – weil die ja eh verlieren», grummelt Mutter.

«Wir beide nehmen dann das Apéro beim Kochen in der Küche.»

Gesagt getan. Vater schaltet seinen Riesen-TV per Fernbedienung ans digitale Universum an. Bis das Gerät hochgefahren ist, hat unsere Nati bereits ein Tor geschossen.

«Eisnoll», dröhnt es aus der Stube.

«Hopp Schwiiz», gibt Mutter zurück in das Fussballuniversum.

Und dann überstürzen sich die Ereignisse. Zuerst auf dem grünen Rasen und dann in der Stube.

Vater kommentiert das Geschehen, weil der Livekommentar technisch bedingt ausfällt.

Da er das erste Tor selbstverständlich sehen will, trickst er die Liveübertragung aus und spult einige Minuten zurück. Während das Tor mehrfach in Zeitlupe und aus verschiedenen Perspektiven wiedergegeben wird (alles andere als live!), murkst der Router die Verbindung einfach ab. Blackout am Screen und ein Neustart ist erforderlich.

«Dami no moll, diese Swisscom!»

Als das Ding wieder hochgefahren ist, steht der live eingeblendete Spielstand auf 2:0.

«Herrgott, die haben ja schon wieder ein Tor geschossen!»

Also erneut zurückspulen und das 2. Tor – unlive – in allen Varianten des Wiederholens geniessen und kommentieren.

«Da spielen die einmal gut und dann macht die Swisscom mir einen Strich durch die Rechnung. Ich ruf die Morgen an.»

Aber das dicke Ende kommt erst noch.

Nach dem Replay für das 2. Tor schaltet Vater endlich auf «live ansehen» und kann es nicht fassen. Es steht unterdessen 3:0!

Was jetzt folgt, kennen wir schon.

Ich selber hoffe insgeheim, dass Swisscom ihre Dienstleistung endlich vollwertig erbringt, das Spektakel ein Ende nimmt, und wir zur Tagesordnung übergehen können.

Tatsächlich. Vaters Kommentare deuten darauf hin, dass das Spiel nach einer Viertelstunde zur Farce verkommt.

Wir können also getrost das Nachtessen auf die 2. Halbzeit planen, wie ursprünglich geplant und ungestört. Auch Vater sieht das so: «Das Ding ist gegessen, wenn sie nicht wieder ins alte Muster zurückfallen …»

Also essen wir, wie ursprünglich geplant und unterhalten uns wie immer: analog und live!

 

Dominique

Das Wort haben die Wörter (Nr. 38)

«Keine Widerwörter, bitte!»

So schrieb meine Korrektorin einmal, dereinst oder sintemalen an den papierenen Rand meines Manuskriptes; mit Rotstift und gewollt mehrdeutig.

«Damit man es besser sehen und lesen kann. Nur deshalb rot und nicht wie die Schulmeisterin in früheren Jahren». Das waren ihre Worte – sorgsam gewählt – als ich mich gewagt hatte, meine witzig gemeinten Widerworte anzubringen zu ihrem sehr korrekten Schreibstil in Rot. Mit andern Worten und als Dankesworte: «Sehr leserlich und dazu in Rot. Besten Dank, meine Liebste!»

Widerworte wechselten wir danach des Öftern und immer wieder, weil ich gerne auf ihren Kommentar betr. «Widerwörter» anspielte und ihr beweisen wollte, dass ich gar etwas gelernt hatte und es anzuwenden beabsichtigte.

Soweit meine Einführungsworte. Jetzt zu meinen Worten zum Tag. Es geht nämlich um Wörter resp. um Worte. Wir erleben das ja jeden Tag und sprechen oder schreiben es oft korrekt, wenn wir es auch nicht bewusst tun.

Es ist Gewohnheit, auch Intuition. Beginnt man indes zu überlegen, ob es nun Worte oder Wörter sind, die wir sprachlich zutage fördern, dann wird es schnell einmal kompliziert und unüberschaubar im Wörterwald des Deutschen. Also nachschlagen im Duden-Wörterbuch. Da stehen über 100‘000 Wörter. Und dort umschreiben wiederum viele einzelne Wörter ein je einzelnes Stichwort (Mehrzahl: Stichwörter).

Soweit alles klar, oder?

Aber Worte sind nun mal keine Wörter. So gut es eben keine Passworte gibt, sondern nur Passwörter, so gibt es auch keine Widerwörter sondern nur (und immer wieder hoffentlich) Widerworte.

Die Regel für diesen Wortsalat (allenfalls Wortesalat?) könnte man so aufstellen: 

 

«Worte» werden verwendet, wenn ein Zusammenhang ausgedrückt werden soll. Sie sind quasi die Salatsauce, aus Öl und Essig zusammengefügt. Sie bilden aus Einzelteilen ein Grosses Ganzes. «Worte» verwendet man deshalb auch in der Rhetorik; sie kommen geflügelt daher oder bilden die letzten Worte im Leben eines Menschen.

«Wörter» hingegen sind einzelne Steine im Steinbruch unseres Wortschatzes. Sie verbringen ein Einsiedlerdasein wie die Fremdwörter. Sie sind einzig-artig wie Passwörter. 

 

Hmm.

Ja, aber und trotzdem …

Ich für mich bleibe dabei: Solange die Wörter das Wort haben, fehlen mir ab und zu die Worte!

 

 

Dominique (heute etwas wortlos)

Auf Schlafsuche durch die Schweiz (Nr. 37)

Schäfchen zählen – wenn man nicht einschlafen kann – ist litaneienhaft, ja, aber auch etwas fantasielos und also langweilig.

Ich orientiere mich da jeweils an einem Wort, das einmal ein Staatengebilde bezeichnete in Richtung Orient: Tschechoslowakei.

Wenn ich das Vokabelgebilde von links nach rechts fehlerfrei daherbuchstabieren kann, wechsle ich die Richtung, frei nach Francis Picabias Bonmot: «Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.»

Je öfter der Schlaf nicht kommen mag, desto simpler wird diese Besänftigungsübung.

Also lass ich mich nicht ins Bockshorn jagen von den aktuellen Reisebeschränkungen und ziehe etwas durch die Schweizerlanden – als Kopfreislein …

Ich stell mir vor, dass ich ungehindert und frei mich von A nach B bewegen kann, also von Rapperswil nach Römerswil und weiter nach Richterswil, Giswil … bis ich alle Ortschaften, die auf «-wil» enden, bereist habe. Dauert schon mal eine Weile, nicht?

Ich lass mich dazwischen gerne auch ablenken, im Wissen, dass das den Schlaf nicht fördert. Aber es gibt Ortschaften in der Nähe der «-wils», die faszinieren, reizen mich des Namens willen: Entlebuch (auch als grösstes Buch der Welt bezeichnet), Buchrain oder einfach kurz: Buch.

Oder, wenn die «-wils» in Langew(e)ile zu versinken drohen, suche ich nach Handfesterem, Konkretem wie Frauenfeld, Fraubrunnen, Frauenkappelen und so.

Es kommt auch vor, dass ich auf Exoten stosse: Ftan. Nuglar. Lotzwil. Es kommt auch zu überraschenden Trouvaillen wie: Engelberg, Ziegelbrücke, Strengelbach ... Da seh ich nicht rot, ich entdecke gelb!

Und so weiter …

Und wenn die Nacht dann einfach nicht vorüber gehen will, so orientiere ich mich an den Sortierbeamten, die sintemalen in den Brief- und Paketzentren die Schweiz nach Postleitzahlen rauf und runter deklinieren konnten:

4412 Nuglar …

6162, 6163 Entlebuch

Gute Nacht dann liebes DotNacht (8566 TG) und guten Morgen neues SamsTagern (8833 ZH).

 

Dominique

Berlin Wall (Nr. 36)

Spielen in Zeiten der Langeweile, das ist wieder etwas in Mode gekommen. Auch das Rätseln übers Kreuz, das Rätselraten überhaupt mit Worten oder Zahlen. So kam es, dass ich in einer (coronatauglichen) Runde aufgefordert wurde, mir einen Begriff zu überlegen, den alle andern kennen, den ich dann aber unterschiedlich definieren sollte. Vier Definitionen, eine davon nur dürfe wirklich korrekt sein. Die andern drei müssten aber mit mir als Person etwas zu tun haben, also glaubwürdig wirken, so, wie wenn ich tatsächlich keine Behauptung von mir gäbe.

Anstrengend und herausfordernd, so ein abgewandeltes «Lexikonspiel».

So war ich an der Reihe und liess meinen Begriff schon in der Runde etwas rätseln mit:

 

• Hat nicht wirklich zum Guten der Menschheit beigetragen.

• Mir aber hat sie gutgetan.

• Sie fiel anno 89.

• Gehörte zu den längsten Schutzwällen oder Grenzdings der Welt.

 

Vorschläge kamen erst zögerlich, dann aber wie aus der Kanone geschossen aus allen Kehlen: 

die Berliner Mauer.

 

Also verlas ich meine vier «Definitionen» mit neutraler Stimme und ernster Mine:

 

1. Ich hab ein Start-up mitgetragen, das T-Shirts mit einem Mauer-Bild bedruckte, darunter der Slogan: «Ich bin eine Berlinerin».

 

2. Ich schluckte einmal ein Globuli namens Berlin Wall – obwohl mir das etwas schräg rüberkam – als Mittel gegen eine Hautreaktion.

 

3. Ich hab mir einen Mauerstein am Tag der Durchbrechung gesichert. Er steht heute als Bücherstütze im Bücherregal bei der DDR-Literatur.

 

4. Ich lieferte einer touristisch-orientierten Agentur eine Idee, die dann zum «Mauerweg» umgesetzt wurde.

 

 

1, 2, 3 oder 4?

Des Rätsels Lösung* ist und bleibt mir bis heute selber ein Rätsel. Aber wie gesagt: Es hat mir gutgetan …

 

 

Dominique

 

* wird in einem kommenden Blogbeitrag aufgelöst ...

Durchseucht – durch und durch (Nr. 35)

Das hab ich doch schon einmal erlebt, schiesst es mir durch den Kopf am Frühstückstisch heute Morgen:

Dieses Gefühl von Eingesperrtsein, keinen Kontakt zur Aussenwelt ausser durch die Medien. Diese Furcht und Angst vor der Seuche.

Es war nicht Sars, nicht Aids. Es war früher – in meiner Jugendzeit – und es betraf mich persönlich, denn es war im ganzen Dorf spürbar und nicht einfach nur über Medien vermittelt. Man blieb vermehrt zuhause, das Spielen mit den Nachbarskindern war mehr geduldet als toleriert.

Bei der Zu- und Ausfahrt des Dorfes war ein Seuchenteppich (mit Desinfektionsmittel durchtränktes Sägemehl) ausgelegt. Alle, die über die Hauptstrasse ins Dorf kamen oder es verliessen, passierten den Teppich und desinfizierten entweder Räder oder Schuhwerk.

Ich erinnere mich noch genau an den Teppich, der sich durch seine maisgelbe Färbung ausnahm aus der winterlich verschneiten Landschaft.

Die Maul- und Klauenseuche tobte durch Teile des Landes. Die Hunde bei den Bauernhöfen lagen an Ketten; Rinder, Kühe und Schweine wurden zur Notschlachtung abtransportiert. Dann wurden ganze Bestände durchgeimpft.

Gut ein halbes Jahr zwischen Bangen und Hoffen bis allmählich wieder Normalität einkehrte. Dann war der Spuk vorbei und also heute vergessen.

Gut, dass man vergessen darf und kann – einerseits.

Andererseits staune ich (frühstückend) bei der Lektüre des Abschlussberichtes des Eidg. Veterinäramtes zur Maul- und Klauenseuche:

 

«Es sei nur auf die Bedeutung des enormen motorisierten Verkehrs hingewiesen, der eine ganz wesentliche Rolle spielt, nicht nur weil durch die Transportmittel der Ansteckungsstoff übertragen werden kann, sondern weil er die Besuchsfreudigkeit und damit Personenkontakte über grosse Strecken fördert. 

(...)

Hohe Infektiosität des Erregers, leichte Übertragbarkeit und lange Inkubationszeit spielten für den Verlauf des Seuchenzuges ohne Zweifel eine wesentliche Rolle. Der rechtzeitigen Anzeige und dem unverzüglichen Einsetzen der seuchenpolizeilichen Massnahmen kommt unter solchen Voraussetzungen eine ausschlaggebende Bedeutung für den Erfolg der Bekämpfung zu.

(...)

An den Sperrmassnahmen wurde im Verlaufe des Seuchenzuges recht heftige Kritik geübt und vor allem die unterschiedliche Anwendung der Vorschriften beanstandet.

(...)

Eine absolute Einheitlichkeit in der Durchführung der Massnahmen wird aber nie zu erreichen sein, weil die Anordnungen aus der Beurteilung der gegebenen Situation heraus getroffen werden müssen und dem freien Ermessen des verantwortlichen Funktionärs immer ein gewisser Spielraum bleibt.

(...)

Für die Tierseuchenbekämpfung von grösster Bedeutung ist die Tatsache, dass das Durchsetzen der allerdings sehr einschneidenden Sperrmassnahmen bei Maul- und Klauenseuche auf immer grössere Schwierigkeiten stösst. Es ist dies auf die Abnahme der landwirtschaftlichen Bevölkerung, auf die stärkere Vermischung von Landwirtschaft und Industrie, auf den immer grösseren motorisierten Verkehr und damit auf das sinkende Verständnis für seuchenpolizeiliche Massnahmen bei der Bevölkerung zurückzuführen. Auf diese Tendenz muss bei der künftigen Konzeption der Bekämpfungsmassnahmen Rücksicht genommen werden.»

 

Ich staune über die Parallelen zur heutigen Seuchensituation. Auch wenn jede Seuche ihren eigenen Verlauf hat und sich nur schwer vergleichen lässt mit anderen, bin ich nach dem letzten Schluck des Frühstückskaffees geneigt auszurufen: Geschichte muss sich nicht wiederholen; es reicht, wenn sich die Lehren aus der Geschichte wiederholen …

 

Dominique

Kleine Medienkunde (Nr. 34)

Schreibt mir eine Freundin per Messenger – nachdem wir über eine Stunde lang ein Telefonat über das Festnetz geführt hatten, das dann urplötzlich unterbrochen wurde:

«Tschüss! Ich habe `Intelligent Fixnet`: Wenn es meint, man habe genug gesprochen, unterbricht die Leitung und die Internetbox light blinkt rot. (Die analoge Leitung war stabiler…)».

Tja, heute kann (oder muss) man die Medien, sprich: Kommunikationskanäle wechseln fast wie die Unterwäsche: einmal täglich. Vor nicht allzu langer Zeit wechselte man das Medium wie die Krankenkassen: einmal jährlich!

Medien ändern sich – und wir mit ihnen.

Ich kann mich noch erinnern, als ich jemanden antelefonierte, um mitzuteilen, dass bald ein Fax eintreffen würde. Keine solche Faxen mehr heute.

Aber das «Phänomen» des Medienmix ist nichts neues.

Früher schrieb man sich zum Beispiel eine Postkarte, um mitzuteilen, dass man an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit einen Telefonanruf machen werde in die Nachbarschaft, die einen Telefonanschluss besass.

Noch früher verschickte man ein mordsteures Telegramm, um anzukünden, mit welchem Zug man in London eintreffen werde: «Eintreffe 18.10; Victoria Station».

Und noch etwas früher – auf der Grand Tour – trug man ein Empfehlungsschreiben in der Reisetasche.

Auch die Zeiten ändern sich – und wir mit ihnen.

Bleibt im Moment also nicht die Frage, ob ich meinen Messengerdienst wechseln soll, sondern wann ich das tun muss…

 

 

Dominique

Wahrsagen (Nr. 33)

Eine weise Seherin deutete die Zukunft der Nachkriegsjahre mit den Worten:

Ob wir davonkommen, steht noch dahin, steht alles noch dahin.*

 

Also wagt auch Dominique sich etwas ans Wahrsagen – frei nach dem Motto:

Heute in einem Jahr wird nichts mehr sein wie heute.

 

Kein Lockdown mehr

  dafür

Startups

 

Keine Ausgangssperre mehr

  dafür

freie Marktwirtschaft

 

Kein Covid-19 mehr

  dafür

Covid-20

 

Keine Weihnachten wie 2020

  dafür

Weihnachten 2021

 

Keine Bundespräsidentin mehr

  dafür

ein Bundespräsident

 

Keine Branchen in Not

  dafür

Menschen in Not

 

Keine Systemrelevanz mehr

  dafür

Ignoranz

 

Kein Zusammenhalten mehr

  dafür

Jeder für sich

 

Keine Risikogruppen mehr

  dafür

Sterbehilfegruppen

 

Kein altgedienter Koch mehr

  dafür

Jungmanagerin

 

Keine Wissenschaft mehr

  dafür

politische Weissagungen

 

Kein Notgroschen mehr

  dafür

Steuereinnahmen

 

Keine Masken mehr

  dafür

Mund auf und Ohren zu

 

Nur Alain Berset wird noch Alain Berset sein und weissagen:

Kein Shutdown mehr.

Also shut up now, Dominique!

 

 

Dominique

 

*Marie Luise Kaschnitz

Pan aus Japan – Allotria in pandemia (Nr. 32)

Nude* läuft durchs Strassendicht,

preist an – 

wie ein Sandwichmann – 

ihr Nudelgericht.

 

Kommt Pan, der Hirtenwicht, 

direkt aus Japan und schreit: 

«Ich will dein Gericht.»

Panik steigt ihr ins Gesicht.

 

Nude läuft und läuft.

Zerrt mit ihr Panier

Bis am Boden zerschellt ihr

Nudelgericht:

Nudelauflauf – lauf lauf ...

 

«Nude lauf lauf!»

Spricht Pans Kumpan aus Holzspan.

«Nude lauf lauf!»

Spricht Laufkundschaft zuhauf.

 

Da plötzlich,

eine Pantomime in Pantoffeln,

hält Paneele in Händen.

Panaschiert Stichworte:

Panda – Panzer – Pandemie

 

Also mimt sie ihr Stück:

 

PANDA-PANDORA

Panda isst Pancake.

Sitzt auf Panamericana.

Stoppt Panzer aus Panama.

Schreit: «Pandemie!»

Wie Pandora.

 

 

************************

 

 

«Kein Gedicht»,

meint Bösewicht!

«Also nicht»,

spricht DomiNicht.**

 

«Mein lieber Bösewicht,

was sticht denn besser

als ein Messer?»

 

Ironie bei Pandemie! ;)  |  :)

 

Humor, du Tor!¦)

 

 

Dominique

 

 

*  Nickname für die Erfinderin eines besonderen Nudelgerichts

** Pseudonym für Dominique

Halbbatzige These? (Nr. 31)

Wenn ich folgende Aussage mich getrauen würde zu machen: «Wegen Corona führen die SBB den Zug von A nach B in der Stosszeit verkürzt», so könnten die SBB mich der Fakenewsverbreitung bezichtigen, was sie indes nicht tun, weil ich diese Aussage ja nicht machen werde, da ich keine Fake News verbreiten möchte, sondern nur Tatsachen. Und Tatsachen sind die Grundlagen für die Forschung, die erst nach mehrfachen Reproduktionen im Labor (=Arbeit) eine verbindliche Theorie formulieren will.

Einmal ist keinmal, zweimal ist zweimal.

Ich habe dieses Phänomen die letzten Tage dreimal beobachtet. Wenn ich es also bald fünfmal reproduzieren kann, wage ich mich an die Formulierung einer These: Die SBB verkürzen in Pandemiezeiten ihre Wagonkompositionen, weil sie nur etwa die Hälfte ihrer «Fahrgäste» transportieren darf und zum Wohle dieser aller Gäste verzichten sie auf Leerfahrten-Achsen, damit sie die Ticketpreise nicht schon wieder erhöhen müssen.

Ich nehme gerne eine Antithese zu dieser These entgegen, um eine neue These formulieren zu können.

Aber kommt mir bitte nicht mit lahmen Gleichungen wie:

Halbe Taxe – halber Preis, also halbe Wagonkompositionen!

 

 

Dominique

Signal plus (Nr. 30)

Stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes Signal, das Sie empfangen – vom eigenen Körper, vom Partner, aus der Politik, der Wirtschaft, aus der Natur usw. – auf den Wahrheitsgehalt überprüfen!

Die allermeisten liefen nach einer Stunde schon Amok oder versetzten sich – quasi rückwärts – in ein künstliches Koma.

Signale sind minimale Bedeutungsträger, die in einem Körper oder einer Gemeinschaft verabredet, vereinbart, definiert, was und wie auch immer sie sind. Und: Sie sind für etwas zuständig, das so ist, wie es ist. Signale sind weder wahr noch falsch, weil sie eben Signale sind. Nix da mit wahr oder falsch (mit nur einer Ausnahme; siehe am Schluss).

Ich habe deshalb meine liebe Mühe mit den vielen «falschen Signalen», die während diesen Pandemiezeiten sich viral verbreiten, ja grassieren! Die Politiker wollen sogar keine «völlig falschen Signale» senden, und die Wirtschaftskapitäne reden ihnen nach dem Munde. Bis hin zu den Fussballkapitänen will das nun niemand mehr. Also, «gute Signale» sind gefragt und der Bundesrat nimmt sie dann auch in den Mund, wenn die Pandemie etwas abzuflachen scheint.

Tja, vielleicht müssen wir uns einmal mehr damit abfinden, dass den Empfängern solcher Signale sowieso klar ist, was gemeint ist, wie wir das bei Showmaster, Home Office, Social Distancing usw. ja auch tun. Was kümmern uns «die anderen (Sprach-)Kulturen», wenn wir es unter uns «verstehen»!

Was kümmern uns «falsche» Metaphern wie «falsche Signale»!

Lassen wir die Wortklaubereien, das Korinthenkacken! Hauptsache, wir verstehen Signale als Signale, denn dazu sind Signale doch da.

Solange es sich nicht um Mimikry, (Signalfälschungen, neudeutsch und knackiger als «fake signals» oder doch vielleicht korrekter: signal falsification?) handelt, solange müssen wir ja auch nicht jedes Signal einer Wahrheitsprüfung unterziehen!

Wo kämen wir denn hin!

Dominique

TikTok tickt und ticct (Nr. 29)

Vor lauter Trends und Modeerscheinungen in den Sozialen Medien weiss man bald einmal nicht mehr, wo einem der Kopf stehen soll. Aber ja nicht den Kopf in den Sand stecken! Straussenpolitik ist nicht angesagt, auch wenn Phänomene in den Sozialen Medien aufblitzen und wieder vergehen, sich ins digitale Nirwana verabschieden. Dominique meint und ist überzeugt: Mitmachen ist besser als gewinnen! Also, einen Tic mal mitticken bis zum Austiccen. Ach, weiss der Kuckuck! Hauptsache Spass!

Dominique

-> Hier klicken um Video zu sehen

Lebenslanges updaten (Nr. 28)

«Niemals sollte man ein Sicherheitsupdate machen, wenn man in den darauf folgenden Tagen noch am PC arbeiten möchte …

Das Scheissprogramm überprüft nun jeden Bocksmist, was Stunden dauert und Anfälle von Verzweiflung hervorruft.»

 

Seinen Mahnfinger zum Himmel erhoben und Luft ablassend, meldete sich neulich ein veritabler Freund von mir im digitalen Weltall der Freunde und Un-Freunde. Und wie es sich gehört: Anstelle eines Ausrufezeichens setzte der Urheber am Ende seiner Botschaft vier (ja, 4) «selbstredende» Emoticone (sic!, weil auch die Mehrzahl von Emoticon nicht im Idiotikon aufgeführt ist!) und führte dann in mehreren weiteren Beiträgen weiter aus:

 

«Gestern Nachmittag hat der PC selbsttätig abgestellt und wieder neu aufgestartet. Dann habe ich alles abgestellt.

Heute läuft er wie am ersten Tag …

?????!!!!!»

 

«Also, es läuft wieder einiges, aber vieles lahmt immer noch. Mein PC-Mensch und ich haben gestern Abend noch zwei Stunden geübt, Programme übertragen und die ganze Nacht den Virenscanner laufen lassen (der auch ein paar sehr alte Teile rausgegrübelt hat).

Möglicherweise liegt es aber an der Harddisk.

Also Folgendes: kein neuer PC, dafür wird bis Ende Woche eine SSD-Einheit eingebaut.»

 

«Gut, Leute, habe jetzt Catalina installiert. Jetzt müsste es wieder besser laufen. Allerdings arbeitet Catalina mit 64bit, deswegen funktionieren die Microsoft-Produkte nicht mehr. Sollen später online aufdatiert werden. Mal sehen.»

 

Erst beschwören, dann etwas jubeln, um letztlich skeptisch in die Zukunft zu schauen? Weil es eh nicht anders geht, ich meine ein Leben ohne Computer (mit oder ohne Mac) und dem landläufigen updaten!

Die Reaktionen aus der Internet-Gemeinde belegen einmal mehr, dass ein Erfahrungsaustausch – wenn man das überhaupt so bezeichnen darf – wenig bis gar nicht zielführend ausfällt. Eine Auswahl:

 

«Sowas kenne ich leider nur zu gut. Ich habe hier einen 2 Jahre alten PC stehen, der meinen jetzigen ersetzten soll. Aber wenn ich daran denke die ganzen Programme und Spiele neu zu installieren... Hintergrund, Internet, die ganzen Links... Deshalb steht er schon 2 Jahre hier.»

 

«So ist das. Wie eine Armee aus lauter kleinen sechsbeinigen Bill Gates-Käfern, die im Computer einen Ameisenhaufen anlegen...»

 

«Ich habe Windows und die Updates dauern bloss 2 - 3 Minüteli.»

 

Damit ist Öl ins Feuer gegossen und die Schlacht der Computerbanausen um ihre Systemtreue darf einmal mehr ausgetragen werden: 

 

«All diese Probleme habe ich nicht mehr, seit ich kein Windows mehr benutze.»

 

«Versteh Bahnhof... Sicherheitskopie auf Mac-TimeMachine läuft im Hintergrund und interferiert niemals mit dem, was Du neu erstellst oder änderst. Ich will ja keine Werbung machen, es gibt viele gute Gründe, sich sowohl von Windoof wie auch von Macken zu verabschieden; ich frag nur (für einen Freund, natürlich)…»

 

Und nach dem Aufblitzen und dem Donnern folgt:

 

«Die gute Nachricht: es bleibt kalt und regnerisch…»

 

Nach dem Regen scheint die Sonne – wie es in einem Kinderliedchen so schön heisst.

Und überhaupt:

 

«Dein Problem ist gegen meins sehr klein... das sollte dich trösten.»

 

 

Ja, am Ende bleibt das Tröstliche. Das ist so banal wie das gegenseitige Geschichtenerzählen in Quarantänezeiten! Hauptsache, man ist nicht so alleine und jemand hört zu! Ob analog auf dem Sofa im Wohnzimmer oder vor dem PC, verbunden mit den unsichtbaren, digitalen Vis-à-Vis.

 

Ich will da nur noch etwas anfügen:

Mein modern-altes TV-Gerät meldet regelmässig – nachdem es einfach mitten in einer Sendung abbricht – ich solle ein Update einfordern. Und das etwa einmal im Monat!

Ich schreib das indes nicht in einen post, Leute! Ist ja nicht wirklich ein Problem!! Wenn man bedenkt, dass wir ein Leben lang zu lernen aufgefordert werden – täglich beinah oder eben fast monatlich!

Also nicht überlegen, ob man ein Update ausführen lassen will. Updaten und mit den Folgen jeweils zu «leben» versuchen!

Tröstlich – oder nicht?

 

Dominique

Liebes-Aus zwischen der SBB und Isabelle (Nr. 27)

-> Zum Anhören hier klicken (gelesen von Gabriela Leutwiler)

 

Hört, hört, ihr lieben Leute! Die SBB vermelden eine neue Lebensabschnittspartnerin!

«Liebes-Aus mit Isabelle!» So titeln die Medien im Land.

Wer hätte das jemals gedacht, dass dieses Paar, das über Jahre in der Öffentlichkeit immer präsent und geschätzt war, sich je auseinanderleben könnte?!

Hand in Hand durchs Land und sprachgewandt hat es uns begleitet und informiert.

Nun ist es passiert. Beide gehen eigene Wege – wie auch immer, ob im gegenseitigen Einvernehmen oder aus Überdruss: Wir haben uns an beide so gewohnt, am frühen Morgen, über den Tag hinweg und im Pendlerverkehr am Abend.

«(Gleis) (1) (Einfahrt) (des) (Intercity) (nach) (Zürich) (Flughafen) (Winterthur) (Romanshorn) (Erste) (Klasse) (Sektor) (A) (C) (Zweite) (Klasse) (Sektor) (A) (B) (C) (Reservationen) (im) (Sektor) (C)».

Ein Jingle, dann die Durchsage, die wir alle meinen auswendig zu kennen. Nur, je länger die Reihung der Informationsstücke, desto bruchstückhafter oder fehlerhafter zitieren wir mit der inneren Stimme. Und trotzdem gehört dieser Singsang zu uns wie das Geläut der verbliebenen Kirchenglocken, das schmerzlich vermisst werden kann, wenn es ausbleibt oder im Ausland als fremdartige Klangmuster an unsere Ohren dringt. Das kulturelle Gedächtnis ist beständig wie eine alte Liebe, die nicht rostet!

Nun wird Frau Augustin von den SBB im August 2020 also (einfach) sitzen gelassen und ausgewechselt!

Sie alle werden die neue Flamme in den kommenden Wochen kennenlernen. Sie werden sich an das akustische Profil gewöhnen müssen wie an eine neue Freundin eines Bekannten in Ihrem Freundeskreis! Körper, Timbre, Dialekt, Volumen etc., usw.. Es wird sicher auch Kritik hageln, das ist zum Voraus schon klar.

Liebe SBB, wieso auch immer du dich getrennt haben magst von Isabelle, das ist nicht nur eine private Angelegenheit, es ist auch eine öffentliche!

Deshalb meine Frage – stellvertretend für die Öffentlichkeit: Wieso nur gehst du einmal mehr eine neue Liebelei ein, die zum Scheitern verurteilt ist?! Wieso musste auf Teufel komm raus eine Neue her?

Aus nostalgischen Gefühlen, romantischen Vorstellungen von der Moderne? Aus Trotz oder Unwissen? Aus Angst gar vor den unendlichen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters?

Hör dich doch einmal auf den digitalen Dating-Plattformen um, wo sich neben Frauenstimmen auch die Männer akustisch anbieten. Da wird dir nicht das Sehen, sondern das Hören vergehen!

 

Dominique

E-Mail von E-Katherina (Nr. 26)

Sie schrieb mir – via Hotmail – sie sei zwar noch jung, hätte aber bereits viele Erfahrungen gemacht.

Welche Erfahrungen sie gemacht habe, das schrieb sie indes nicht.

Auf sie sei Verlass und sie sei sehr liebenswürdig. Sie könne alle Wünsche erfüllen, wenn nicht gar alle Wünsche von meinen Lippen lesen ab (sic!). An diese Wortabfolge kann ich mich noch ganz genau erinnern!

 

Und das alles in einem Deutsch, das eine «Handschrift» verriet, die mir etwas fremd vorkam, jedenfalls unvertraut, aber doch irgendwie rührend, ehrlich, offen.

 

Oh, E-Katherina, hätte ich doch geantwortet, um mit dir meine Erfahrungen auszutauschen, dich kennen zu lernen, dich zu fragen, wieso du mir – ja, mir, ausgerechnet mir – diese E-Mail zugestellt hast! Wenn du wüsstest ...

 

Ich war dann doch zu wenig neu-gierig, um eine Antwort auf diese ungefragte E-Mail zu verschicken. Ich hab die Botschaft aber ausgedruckt und irgendwo liegen lassen. Für später, glaubte ich.

 

Und nun sind die Jahre ins Land gezogen. Das Papier nicht auffindbar. Die Erinnerung aber an E-Katherina «lebendig» geblieben.

Was hat «meine liebe E-Katherina» unterdessen gemacht?

Sie hat sich nie wieder bei mir gemeldet.

E-Katherina, wo bist Du? Gibt es Dich noch? Es ist mir, als hätte es Dich nie gegeben!

Ich suche «verzweifelt» in meiner Mailablage. Das Mail aber ist unauffindbar, auch im Spamordner nicht. Gelöscht! Nichts scheint von Dauer zu sein. Auch Erfahrungen nicht. Oder phantasiere ich nur? Gab es diese E-Katherina gar nie oder bloss in den vermischten Zeitungsmeldungen?

 

Dominique

Sendungsbewusstsein (Nr. 25)

Leute, es gibt Sachen in unserer modernen Welt, die werden als «Fortschritt» angepriesen, weil … Ja, wieso eigentlich?

Früher hat die Post beispielsweise zum Geburtstag eine Karte oder ein Paket von den lieben Lieben fernab überbracht. Punktgenau auf den betreffenden Tag sind diese eingetrudelt ohne Dingsbums des digitalen Zeitalters.

Heute ist das etwas anders, weil total durchstrukturiert, selbstbestimmt und effizient.

Also, heute geht das so:

Ich krieg eine Mail von der Post, ganz unerwartet. Im Betreff steht: Sendung von XX – unterwegs.

Auf der ersten Zeile im Mail steht: Meine Sendungen 24.08.2020. Dann das Logo der Post und darunter «Ihre Sendung ist unterwegs».

«Guten Tag Herr/Frau Dominique

Die folgende Sendung stellen wir voraussichtlich am 25.08.2020 zwischen 09.30 und 12.30 Uhr zu.

Sendungsnummer: 996003819700000167 (Paket)

Absender: XX

Voraussichtliche Zustellung: am 25.08.2020 zwischen 09.30 und 12.30 Uhr

Voraussichtliche Lieferadresse: XX XX, XX 17, X005 XX

Gewicht, Masse: ca. 5.00 kg und 36 x 24 x 22 cm

Sie möchten den Empfang der Sendung steuern? Bestimmen Sie wann, wo und wie Ihre Sendung zugestellt wird.

Empfang steuern

Freundliche Grüsse

Ihre Post»

Danke – allerliebste Post – für diese Post-Mail, dass Du mir alles so fein säuberlich mitgeteilt hast! Und voraussichtlich wird das angekündigte Paket ja auch zur voraussichtlichen Zeit an der voraussichtlichen Adresse zugestellt werden.

Nur, wieso um Himmels willen, krieg ich diese vermaledeite Information von der allerliebsten Post? Weil die Post eben auch ein modernes Unternehmen ist? Oder weil sie – wie die anderen – die Verantwortung auf mich abschieben will, damit, wenn ich unter der Woche nicht zu Hause sein sollte – was ich ja sowieso nicht bin – sie mich vorgewarnt hat und ich letztlich das Paket am Wochenende selber abholen soll an einem Ort meiner Wahl?

Danke vielmals für diesen Post, den sachdienlichen Hinweis – sprich: für das Verraten des Geschenkes, das zu meinem Geburtstag eintreffen soll. Schöne Überraschung! Echt!

Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich ja nicht ins Maul! Und genau so – in etwa – werde ich die im Nachgang zur Auslieferung des (Danaer-?)Geschenkes erwartete Mail betr. «Wie waren Sie zufrieden mit uns?» beantworten! Falls die Post wirklich so modern sein sollte wie alle modernen Digitalisate, die sich bis zum Gehtnichtmehr optimieren lassen durch ihre Kundschaft …

 

Dominique

Selber machen (Nr. 24)

Früher – ja, früher – hat man sehr viel selber gemacht: in der Werkstatt, im Garten, im Haushalt, handgemacht, eingemacht: Brote, Konfitüre, Bohnen in Einmachgläser … 

Heute macht man nichts mehr selber wie früher. Heute macht man als Self-made Maid oder Self-made Manservant alles selber-selber: Man bestellt online im Internet und schwups, da ist die Post am nächsten Tag. Heute kauft man nicht nur, man reserviert, bucht, bezahlt im Voraus – alles selber, damit man dann mit der bestellten Ware oder Leistung etwas selber machen kann, muss, soll … 

Eben: selber-selber.

Und wenn alles von selber geht, dann spricht man von Effizienz und so.

Wenn dann aber etwas nicht von selber – also von selbst – geht, und das ist schon fast zur Regel verkommen, dann verselbständigt sich ein System, wird alles so kompliziert, dass sogar künstliche Intelligenz zum Schatten ihrer selbst wird. Auch menschliche Intelligenz – wenn noch vorhanden – ist bald einmal am Limit, denn was beim Online-Self-Maden gefragt ist, kann mit Intelligenz nicht entwirrt werden.

«Upps, da ist was schief gelaufen. Bitte versuchen sie es noch einmal ...»

«Es gab ein Problem bei der Bearbeitung dieser Anfrage. Wir arbeiten daran, den Fehler so bald wie möglich zu beheben.»

«Es ist ein Problem aufgetreten mit Ihrer Zahlung. Bitte ….»

Kann ja vorkommen. Kann man ja noch «verstehen» bei so viel smarter Technologie – wirklich.

Aber, und nun wird es deutlich einfacher, und dennoch nicht nachvollziehbar:

Man legt seine Siebensachen in einen Warenkorb, in dem alles schön aufgelistet wird, bevor es zur Kasse geht. Zwei Klicks weiter und im Maileingang taucht auch schon die Bestätigung der Bestellung auf. Gesamtbetrag stimmt; die Lieferzeiten sind angegeben und meine Kreditkarte werde belastet.

«Vielen Dank für Ihre Bestellung.»

Alles paletti also. Jetzt kann man sich nur noch freuen!

Nur, man hat die Rechnung nicht mit den Wirten im Internet gemacht!

Denn nach einer Woche wird erst einmal eine Sache aus dem Warenkorb geliefert. Und wo bleiben die anderen Dinge? Egal. Da waren‘s nur noch sechs Waren.

Nach zwei Wochen eine Mail, die mit einem «Bedauern» beginnt:

«Guten Tag Frau/Herr Dominique,

wir bedauern Ihnen mitzuteilen, dass wir den Artikel Alutisch1 Ablage, HKP (Art.-Nr.: 5805571) aufgrund eines Lieferengpasses unseres Lieferanten voraussichtlich erst ab 22.10.2020 versenden können.

Wir bitten Sie um Verständnis und bedanken uns herzlich für Ihre Geduld.»

Hey Leute, ich brauch das Ding aber wie beim Bestellen angekündigt und versprochen am 12. 08.2020 und nicht fast 3 Monate später!! Ich brauch es tatsächlich, darum hab ich es doch frühzeitig bestellt!

Meine ehrlich geäusserten Argumente verebben im Netz und meine Wut steigert sich, als ich die Bedingungen für eine Stornierung endlich auffinde im Kleinstgedruckten, zuhinterst, unter vielen, vielen anderen Antworten zu vielen, vielen anderen wichtigen Fragen rund um das Online-Bestellen. Da heisst es:

«Kann ich meine Bestellung stornieren?

Nein, eine Bestellung kann leider nicht storniert werden. Für uns ist es wichtig, dass jede Bestellung so schnell wie möglich bearbeitet werden kann. Deswegen wird sie direkt ausgelöst und geht ruckzuck in den Versand.

Falls Du den bestellten Artikel doch nicht mehr benötigst, schick ihn einfach innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt zurück. Das Geld erhältst Du dann natürlich zurück.»

Ruckzuck wird mir klar und deutlich vor Augen geführt, wie Effizienz und viele andere Ausdrücke aus der Wa(h)renwelt der Wirtschaft auch interpretiert werden können.

Effizienz z.B. ist, wenn man bequem von zuhause mit wenigen Klicks einfach alles bestellen darf, damit alles in time produziert und versandt werden kann. Ich liefere alle meine Kontakt- und Bankkontendaten, akzeptiere alles, damit endlich der Verkäufer seine Ruhe gibt und meinen Wünschen entgegen kommen darf. Ich arbeite für ihn, ohne dass er mir preislich entgegen kommt. Ok, ist ja meine Entscheidung.

Aber … jetzt kommt‘s dicke.

Ich bin mit meiner Bestellung auch verantwortlich dafür, dass Dinge produziert und viel zu spät versandt werden, obwohl ich diese Dinge dann nicht mehr verwenden kann. Ich lasse für die Halde produzieren und beruhige dafür mein Gewissen mit freiwilligen CO2-Abgaben!

Hat meiner Meinung nach nix mit Effizienz zu tun, denn Effizienz meinte mal: «günstiges Verhältnis zwischen erbrachtem Aufwand und erzieltem Ergebnis, hoher Wirkungsgrad, Wirtschaftlichkeit».

Ich weiss, ich liege falsch, wenn ich mit Schlagertexten «von früher» auffordere zu:

«Hey Leute, kauft beim Trödler Abraham!

Seht euch mal um beim Trödler Abraham!»

Abraham hat nämlich nur, was er hat. Nix auf Bestellung, kein Versand, dafür rezykliert und preisgünstig!

Oder, Leute: Geht wieder mal an die frische Luft, macht Dinge einfach auch wieder selber. Ist letztlich nicht aufwändiger, sicher aber erfreulicher und passgenau nach euren Wünschen!

Dominique

Normale Tieftrance-Medien (Nr. 23)

Botschaften aus dem Jenseits werden von der Wissenschaft – die nicht daran glauben darf – als «paranormal» bezeichnet. Mitteilungen aus dem Hier und Jetzt gelten – egal, ob wahr oder falsch – (in der Regel) als «normal». Normal ist also, was nicht aus dem Jenseits stammt. Logik!

Hier eine Beweisführung mit alltäglichen Beispielen:

Ein junger Mann – ca. 22 Jahre alt – sitzt die Nacht über vor seinem Smartphone und surft um den Globus. Nichts kann ihn ablenken, kein Steinkauz, kein Martinshorn. Er hat sich die Kopfhörer übergestülpt und verharrt wie ein Autist in seiner Videowelt. Tieftrance.

Eine junge Frau – ca. 23 Jahre alt – sitzt die Zugsfahrt über vor ihrem Smartphone und surft über den Globus. Nichts kann sie ablenken, kein Vis-à-Vis, keine Schnellbremsung. Sie hat sich die Kopfhörer übergestülpt und verharrt wie eine Autistin in ihrer Videowelt. Tieftrance.

Eine Frau – ca. 83 Jahre alt – sitzt den Tag über vor ihrem Ausblick in der Altersresidenz und starrt in die Welt. Nichts kann sie ablenken, kein Vis-à-Vis, keine Hausglocke. Sie hat sich keine Kopfhörer übergestülpt und verharrt wie eine Autistin in ihrer Welt. Altersdemenz.

Ein Mann – ca. 82 Jahre alt – sitzt Tag und Nacht über vor seinem TV und wartet auf Nachrichten aus aller Welt. Nichts kann ihn ablenken, keine Post, keine Spitex. Er hat sich seine Tag- und Nachtbrille übergestülpt und verharrt wie ein Autist in seiner Welt. Ruhestand.

Normal ist also, was nicht aus dem Jenseits stammt und der Norm entspricht?

 

Dominique

Das Ding mit dem Dings (Nr. 22)

Ich hab einmal mehr etwas genauer hin- und zugehört, gestern Abend beim Essenvorbereiten und beim Essen am Tisch mit Kindern und Erwachsenen.

«Obwohl ich mich während des Studiums stets richtiggehend bemüht habe, korrekte und die richtigen Worte für präzise Beschreibungen meiner Gefühle und meiner Umwelt zu finden, bin ich heute nach wie vor nicht viel weiter gekommen mit meinem sprachlichen Ausdruck», meint Sebi (Koseform für Sebastian) in die fröhliche Runde.

Er berichtet uns beim Kochen über seinen ständigen Kleinkrieg mit allen möglichen Dingen des Alltags, die sich tückisch gegen ein Benanntwerden stemmen.

Da platzt auch schon Aimée dazwischen mit: «Wo ist das Dings?!», meint wohl ihr Smartphone, das sie vor dem Reiten zuhause lassen musste und nun krampfhaft sucht.

«Könntest Du mir den Ding rüberreichen», witzelt Jedi (Pseudonym für Sebis Frau) zum Chefkoch, der ihn nicht mehr braucht zum Pfeffern des Roten Herings.

Ja, es ist so ein Ding mit dem Dings!

Beim Essen – alle sind guter Dinge – geht es dann auch richtig dingsig zu! Erst einmal die alltäglichen Dinge mit dem Dingsda oder dem Dingsbums benamsen.

Dann die nicht-alltäglichen, darunter witzige, spielerische Anwendungen. Sodann mischt sich das kulturelle Gedächtnis ein mit einem Kulturgut, das fast schon vergessen war: «Ohne Dings kein Bums» – wie das Dings vor über 20 Jahren als Präventionsslogan die Runde machte; dieses Ding, das als Dingsbums offiziell keinen Plural haben soll und als genderneutral (n; f; m) verwendet werden kann.

Und das in allen Sprachen dieser Welt: Whatchamacallit!, ahí, ate ...

Topmodern, geeignet auch für Einfache Sprache und Leichte Sprache, gar federleichte Sprache!

 Alle verwenden es, alle verstehen es – dieses Ding oder Dings – aber niemand weiss, was es schlechterdings bedeutet, weil dieses Ding eben für alles, jede und jeden – jeglichen Alters – als Platzhalter, Stellvertreter ins Amt gesetzt werden kann.

{Der Platzhalter hier steht für Dinge, die sich dingswidrig verhalten gegenüber Leichter Sprache; Sprachgewichtige lesen den Fussnoteneintrag unten!}1

Bleibt platterdings nur noch die Frage zu klären, ob es neben einem Dingsda auch ein Dingsdort gibt?

Allerdings, gut Ding soll Weile haben!

Dominique

 

1 Im «Dinge-Platzhalter» stünde der Absatz:
Ein Unobtainium – ein Nichtzukriegium – für Filmfreaks ein Macguffin, für Literaturaffine ein veritabler Odradek – dingartig, vieldeutig, rätselhaft, eine «Umrahmung» mit einem «shape», dessen Inhalt multivariabel ist, nicht fassbar als eine präzise Gestalt. Und trotzdem: «Verstanden» wird!

Down die Locken (Nr. 21)

Der Lockdown muss Haare lassen.

 

Vor nicht allzu langer Zeit wollte M. sich eine Glatze wachsen lassen. Das posaunte M. damals aus dem Home-Office, um gleich darauf Vaters Redewendung zu zitieren, dass «Haare eine Wasserpflanze seien und der Glatzenträger deshalb weniger Grips besässe – dafür mehr Geduld». Vater habe seine Glatze, die umkränzt war von einem coronaartigen Haarwuchs im unteren Schädelbereich, mit ironischer Gelassenheit getragen und ertragen. Gegen Glatzen sei eh kein «Kraut» resp. Haar gewachsen! Wie recht Vater gehabt habe.

Das sei doch etwas an den Haaren herbeigezogen, entgegnete ich damals. M. wolle sich doch bloss selber – mit Haut und Haar – aus dem Sumpf ziehen, um der Tristesse und dem Katzenjammer in diesen urwüchsigen Zeiten zu entkommen. Ein Selbstversuch, der zum Scheitern verurteilt sei!

Denn es war – damals, vor nicht allzu langer Zeit – niemand da zum Haareschneiden. Scheren und Haarschneider ruhten per Verordnung im Lockdown! Da war deshalb auch niemand, um etwas Seelenkummer abgeladen zu bekommen. Die Haare wuchsen einem und auch allen andern unmerklich erst zu Berge, dann einfach in die Länge; ob man sich das bewusst schon vor Corona vorgenommen hatte – ja, es gab Menschen, die mir das so per Video im Chat kommuniziert haben – oder nicht.

Gegen Haarwuchs ist kein Mittel (vergleiche oben unter «Kraut») gewachsen!

«Geh nach Jerichow und lass dir einen Bart wachsen», grummelte ich M. zu, an Geduld appellierend. Auch meinte ich, dass endlich alle Menschen gleich seien, quasi klösterlich vereint, nur im umgekehrten Sinne, nämlich ohne Kahlschnitt oder Tonsur, dafür eine neue Form von Community formend, gerüstet für die digitale Anbetung vor dem Herrn.

Im Nachgang zu diesen haarsträubenden Zeiten stelle ich nun aber fest, dass Home-Office-Haare – wie Perücken – nur eine falsche Behauptung waren.

Man ertrug das stille Wachstum einfach in der Hoffnung auf bessere Zeiten, die da wieder kommen sollten.

Und diese Zeiten sind nun ausgebrochen.

Nicht nur Kahlschnitte, Tonsuren, Irokesentracht, auch die Rapunzeln und die Simsone oder Samsone, die Toupets und Perücken zieren das öffentliche Leben wieder. Der Herr hat den Seinen das Recht auf persönliche Haartracht per Absolution erteilt. Eitelkeit mit Gel und Scheitel, Make-up und Dauerwelle für unsere Mitschwestern sind zurück. Und die bärtigen Mitbrüder unter uns packen die Gelegenheit beim Schopf und rüsten sich auf das Gross-Ereignis «Bartabhauetä» in Engelberg.

Wer Haare auf den Zähnen hat, sucht wieder das Haar in der wirtschaftlichen oder politischen Suppe. Haarspaltereien um Genderfragen oder Rassismus machen wieder die Runden in den Medien.

Ich lass mir deswegen aber keine grauen Haare wachsen.

Sollen sie doch alle wieder sich die Haare raufen, kein gutes Haar lassen an Dingen, die sie in ihrem Wohlstand stören.

Dagegen scheint eh kein Kraut gewachsen!

 

Dominique

Forum facebookorum (Nr. 20)

Edita schreit um Hilfe. Edita schreibt um Hilfe, und genau so schreibt Edita:

«An meine Facebook-Freunde: ich kann mich mit meinem Handy bei mir zuhause nicht mehr mit dem Wlan verbinden, Swisscom und Apple haben auch keine Lösung und ich keine Nerven mehr,

hat jemand auch schon sowas gehabt? Ich freue mich auf konstruktive Kommentare. Merci...»

 

In schā' Allāh – inschallah!

Das war am 3. Horner 2020 nach Christi Geburt und einen Tag später war das Forum auf Facebook «zu Ende» , wenn man dem so sagen darf. Wie ausgeknipst. Jedenfalls keine Beiträge mehr, kein Mensch, kein «Gefällt mir», keine «Kommentare» mehr. Kein gar nix. Ein wenig unheimlich beinahe! So stelle ich mir die Stille vor in einem antiken Forum nach ausführlichen Disputen um Gott und die Welt. Da sind alle heimgegangen zu ihren Lieben und führen ein stilles Leben weiter. Linde Luft weht vom Meer herüber und kümmert sich um die letzten Reste der Versammlung. Das Forum ist aus und bleibt in den Köpfen der Teilnehmenden.

 

Unser Facebook ist da fortschrittlicher. Speichert alles, auch den kleinsten Rest einer Unterhaltung, egal wie lange geführt, was Sache war oder eben nur Hilferuf ohne ein seliges Ende. Was mal stattgefunden hat, findet immer wieder statt.

Also stiess ich gestern auf Editas Hilferuf vom Horner – zufällig, weil ich umgeleitet wurde über einen «Freundesbeitrag», der gar kein Freundesbeitrag ist, weil ich bestimmt besser weiss, wer meine Freunde oder meine Freundinnen im richtigen Leben sind!

 

Beim Lesen dieses Hilferuf-Posts – aus der Antike des Internets quasi – sah ich mich beim Schreiben eines Posts an Edita:

 

«Liebe Edita, ich gehe davon aus, dass Du kein einfaches Handy – pardon, Smartphone – hast, sondern ein veritables iPhone (das eben kein Handy sei und auch nicht mit Smartphone bezeichnet werden möchte, weil es eben ein iPhone ist), da Du in einem Atemzug Swisscom mit Apple in einen Korb legst? (Apple die Äpfel und Swisscom den Korb!).

Wenn dem so sein sollte, dann kann man sich in etwa ausmalen, was an Kommentaren reinpurzeln wird, wenn Swisscom keine Lösung hat und selbst Apple auch keine: Ausser Trost und Zweckoptimismus der Apple-Gemeinde garantiert keine konstruktive Lösung – wie eben mein Beitrag auch nicht. Sorry!

Nichtsdestotrotz, hier mein konstruktiver Rat: Schone Deine Nerven und geh einfach in einen Swisscom-Shop oder frage Deinen Hersteller.»

 

Aber man schrieb sich anders, nämlich so:

 

Christian Rxxxxx: Bei dem automatisch erkannten Hotspot auf Info drücken, dann «Dieses Netzwerk ignorieren» wählen. Erneut Dein Hotspot wählen und PW neu eingeben.

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Toni Nxxxxx: Hast du Ein und Ausschalten der Geräte schon probiert?

 

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Edita Vxxxxx: meine Lieben, ich habe das alles schon gemacht…

 

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Mojca Vxxxxx Axxxxxxxx: Auf Werkseinstellungen zurücksetzen…

 

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Deexx Ixxxx-Fxxxxxx: Lieb'Edita, gehe auf Dein Netzwerk, dann dieses Netzwerk Ignorieren. Dann wieder auswählen und Passwort neu eingeben.

 

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Toni Nxxxxx: Mit dem Normalen Compi kannst du aber auf das WLAN zugreifen?

 

Edita Vxxxxx:  ja, compi geht... vlt können wir mal was abmachen+du kommst kurz bei mir zuhause vorbei? ich melde mich bei dir...

 

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Toni Nxxxxx: Machen wir so!

 

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·16 Std.

 

Gefällt mir. Echt! Hätte fast den Knopf gedrückt, wenn auch – wie die alte Fasnacht – verspätet.

Ich hoffe, dass Toni vorbeigeschaut hat. Es kam nämlich kein gar nix mehr in die Facebook-Freunde-Runde zurück. Und die Hoffnung stirbt ganz am Schluss.

Falls Toni tatsächlich vorbeigeschaut hat, aber das Ding nicht in Schwung gekriegt haben sollte, rate ich Dir, liebe Edita, was der Gemeinde schon lange vorgeschwebt hat: Kauf, nein leiste Dir doch einfach ein neues iPhone. So ist Swisscom aus dem Schneider und Apple hat sein Gesicht gewahrt. Wahre Liebe rostet nicht.

 

 

Dominique

Dada-Dasein (Nr. 19)

Vermessen, wenn ich behaupten würde, ich sei nicht «da», ich sei zum Beispiel in den Ferien, wie es mein digitaler Assistent vermeldet, wenn andere während einer Sitzung in der Firma meinen Kalender absurfen.

Ich bin im Grunde nämlich immer «da», auch wenn ich nicht «da» bin. Ich bin also gleichzeitig auch immer «dort» oder irgendwo auf dieser Welt, die bis in den hintersten Winkel vermessen ist.

Vermessen also, wenn ich behaupten würde, ich sei nicht «da»! Die Welt hat mich am Wickel, ob ich Ferien im Freien auf einem Reifen feiern* darf, ob ich ein burn out ausbrüte, egal.

Und wenn ich einmal dann wirklich nicht mehr «da» sein sollte, so existiere ich virtuell weiter, als Dominique, wer weiss, als: Dominique Rinderknecht, Model oder als Dominique Aegerter, Motorradrennfahrer usw.

«Da» sein im virtuellen Dasein. Es geht nichts und niemand mehr verloren.

Aber aufgepasst: Mein Dasein kann gut und gerne auch eine Dabeisein-Camouflage sein! Ich kann also «da» sein – an einer Sitzung teilnehmen – und aber genau das Gegenteil: nämlich nicht «da» sein! – an einem Treffen teilhaben, wenn ich gar nicht vor Ort bin!

Ob analoge oder virtuelle Präsenz: alles platonisch! Vergeistigt, un-sinnlich, unkörperlich – Unsinn quasi?

Bei weitem nicht.

«Da» sitz ich im Freien auf meinem Reifen und sinniere über das Dasein.

Niemand sonst «da».

«Da» plötzlich summt mein Smartphone.

Wer zum Teufel stört denn «da» nun meine Kreise?

«Da» draussen läuft ein meeting und ich werde bums – via Smartphone – zugeschaltet. Ungefragt.

Leute: Ich bin nicht «da»! Steht ja so in der Agenda!

Aber so ist es heute: Nicht «da», und trotzdem «da» …

 

«Da»minique

 

*In den Ferien geb ich mir ab und an die Zeit, mich Anagrammen zu widmen.

Nicht ganz dicht – ein Kehrreim-Gedicht (Nr. 18)

Heute nix Geschicht – Heute ein Gedicht

  

Es ist die Politik, die das Sagen hat.

Unklug, sagt die Wissenschaft!

 

Es ist die Wissenschaft, die das Sagen hat.

Unbedarft, sagt die Wirtschaft!

 

Es ist die Wirtschaft, die das Sagen hat.

Unbarmherzig, sagt die Bildung!

 

Es ist die Bildung, die das Sagen hat.

Unsäglich, sagt das Volk!

 

Es ist das Volk, das das Sagen hat.

Unsinn, sagt die Zivilisation!

 

Es ist die Zivilisation, die das Sagen hat.

Untergang, sagt die Natur!

 

Es ist die Natur, die das Sagen hat.

Sagt es und denkt sich: Die sind alle nicht ganz dicht!

 

 

(In Anlehnung an Erich Frieds Gedicht: Es ist was es ist)

 

Dominique

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