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Ein Museum kann mehr

Museen locken mit immer mehr Spezialevents. Lenkt das vom eigentlichen Inhalt ab? Keineswegs, finden wir. Vielmehr schaffen vielseitige Aktivitäten Anknüpfungspunkte für neue Menschengruppen und sorgen so dafür, dass die Institution Museum gesellschaftlich relevant bleibt.

Museumsbier. Museum mit Yoga. Museum mit Party. Das Museum unterwegs in der Stadt und in den Bergen. Kinder, die im Museum schlafen. Die Liste ist lang. In jüngster Zeit gibt es in den Häusern der Geschichte viel zu erleben. Eine breite Palette an Events und Aktivitäten füllt die Veranstaltungskalender.

Das war nicht immer so. Einst waren Museen vor allem dazu da, um die Vergangenheit in grossen Vitrinen aufzubewahren. Stets begleitet von einem etwas staubigen Image. Doch in den letzten 25 Jahren hat sich vieles verändert. Die Museen werden auch im Geist offener und entdecken neue Spielfelder. Gelegentlich hört man deshalb den Vorwurf der Eventitis. Zu viel Event, zu wenig Inhalt. Sind das alles nur Augenwischereien, mit dem Zweck, das altbackene Image des Museums zu übertünchen? Aktivismus ohne Ziel – viel Lärm um nichts? Kann ein Museum nicht einfach Museum sein? Ein bisschen ernst und ohne Jubel, Trubel, Heiterkeit?

Selbstverständlich kann das ein Museum. Schliesslich ist es ein Lernort – da wird Wissen vermittelt und es darf auch mal der Hirnschmalz gefordert sein. Aber ein Museum kann auch noch viel mehr. Mehr als einfach nur da sein und darauf warten, von der immer gleichen Gruppe von Bildungsbürger:innen besucht zu werden. Wollen die Museen Orte mit Relevanz bleiben, müssen sie den Denkraum erweitern und breite Gesellschaftsschichten ansprechen. Dabei geht es nicht nur um Öffnungszeiten, sondern um eine offene Haltung, die für verschiedene Menschengruppen Anknüpfungspunkte bietet.

Die Kommunikatorinnen des Museums für Kommunikation sind unterwegs auf der Strasse mit einem Garderobenschrank, auf dem das Schild "Frischluftmuseum" steht. Davor ein paar interessierte Passant:innen. - vergrösserte Ansicht
Während dem Lockdown war unser Museum geschlossen. Es entstand die Idee des Frischluftmuseums - das Museum, das raus zu den Menschen auf die Strasse geht. Schliesslich bleibt Kommunikation auch im Lockdown zentral.

Offene Tür und offener Geist

Für uns im Museum für Kommunikation ist klar, dass unsere Arbeit im Museum eine direkte gesellschaftliche Relevanz haben soll. Nach diesem Kriterium wählen wir deshalb unsere Ausstellungthemen und planen wir unsere Aktivitäten. Wir wollen neue Zugänge ermöglichen. Und wir wollen neue Menschen ins Museum holen. Das beginnt bei uns mit einer Haltung: Wir sind kein Haus, das Wissen erarbeitet und dann freundlicherweise als pfannenfertige Erkenntnis weitergibt, fertig fabriziert und nicht verhandelbar. Auch wenn bei uns viel Wissen vorhanden ist, interessieren wir uns immer auch für das, was die Besuchenden mitbringen. Da ist viel Alltagswissen und manchmal überraschend genaue Sachkenntnis vorhanden. Davon können wiederum wir lernen.

Die Arbeit unserer Kommunikator:innen bringt diese Haltung auf den Punkt. Sie gehen offen auf alle Besuchenden zu und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Sie sind Gastgebende, nicht Referent:innen oder Aufsichten. Und mit Gästen pflegt man einen persönlichen und interessierten Umgang. So entsteht eine Begegnung, die für alle bereichernd ist.

Diese partnerschaftliche Haltung ergänzen wir gezielt mit Aktivitäten. Sie schaffen neue Zugänge. Denn es sind gerade die unkonventionellen Formate, die neuen Personen das Erlebnis Museum näherbringen.

Die Museumsnacht bietet für viele Menschen einen Zugang zum Museum. Auch für solche, die sonst kaum in Museen anzutreffen sind. Das Video ist ein Zusammenschnitt der Museumsnacht 2018.

Ausprobieren zeigt Interesse

Bier im Museum – ja gerne! Klar kann ich mein Bier auch in einer Bar in der Stadt trinken, doch das Format Museumsbier schafft eine neue Atmosphäre im Museum. Farbiges Licht, Hintergrundmusik und etwas zu trinken in der Hand – das bringt ein anderes Publikum, ein neues Museumserlebnis. Plötzlich ist der Altersdurchschnitt deutlich jünger, die Stimmung lockerer. Diese Menschen könnten auch sonst ins Museum kommen. Doch viele von ihnen tun es eben erst, wenn das Museum mit dem richtigen Angebot einen Schritt auf sie zu macht. Es ist eine Geste, die zeigt, dass sich das Museum für diese Zielgruppe interessiert. Man könnte es auch eine Einladung nennen.

Genau aus diesem Grund braucht es eine Vielzahl von unterschiedlichen Formaten – alleine oder gemeinsam mit anderen Institutionen. Das Museum für Kommunikation will auch einmal einen Versuchsballon starten und vielleicht sogar mal die eine oder andere Extravaganz wagen. So finden wir heraus, welche Anschlusspunkte für die verschiedenen Zielgruppen bestehen und welche auch funktionieren.

Angebote wie Museumsbier, Gratis ins Museum, «Mit BrauKunst im Museum», sowie natürlich die Museumsnacht oder unsere Nachtführungen «Dark Gossip» sind deshalb essenziell. Das ist immer noch Museum. Es sind unsere Inhalte, mit denen wir diese Gefässe füllen. Der kritische Blick ist stets mit dabei, eine vertiefte Auseinandersetzung jederzeit willkommen. Genauso wie wir das auch in den normalen Öffnungszeiten handhaben. Gleichzeitig bieten diese Anlässe ein Museumserlebnis ausserhalb des Gewohnten und ermöglichen damit neue Zugänge.

Die Ideen müssen dabei nicht immer von innen kommen. Wir gehen auch auf Anregungen von aussen ein. Unser nächstes Projekt: Gute Nacht Ratatösk – einmal im Museum übernachten! Ein Wunsch, den Kinder immer mal wieder geäussert haben. Manchmal werden Wünsche wahr.

Autor

Nico Gurtner, Leiter Marketing & Kommunikation, Museum für Kommunikation

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