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Drei Fakten über Menschenmassen

Menschenmassen bewegen uns – körperlich und emotional. Wie genau, das finden Sie in der Ausstellung Massen – Foules – Crowds heraus. Unser Marketingleiter Nico Gurtner hat in der Ausstellung einiges gelernt. Drei Fakten, die bei ihm hängen geblieben sind.

Manchmal suchen wir sie, manchmal finden sie uns gegen unseren Willen – Menschenmassen tauchen immer wieder im Alltag auf. Beim Einkaufen, im Stadion, beim Pendeln, beim Skifahren, im Internet. Dabei lassen uns die Massen selten kalt. Wir reagieren mit Emotionen auf die Anwesenheit von vielen anderen Menschen: Euphorisch, wenn sie unsere Meinung teilen an einer Demonstration oder einem Konzert, oder verärgert bis verängstigt, wenn sie unsere Wege blockieren und verhindern, dass wir unser Ziel wie geplant erreichen.

Sofort tauchen in meinem Kopf Erinnerungen an Massenerlebnisse auf. Das Konzert am Gurten-Festival bei dem die Begeisterung abrupt in Ärger umschlägt, als sich die dicht gedrängte Zuschauermasse wellenartig hin- und herbewegt. Oder das euphorische Gefühl, als 30'000 Menschen den langersehnten Meistertitel meines Lieblingsclubs feiern. 

In der Ausstellung Massen – Foules – Crowds dreht sich alles um die Menschenmasse. Verständlich wird erklärt, wie Massen funktionieren, wo sie gefährlich sind und was ihre Stärke ist. Besonders hängen geblieben sind bei mir drei Fakten.

1. Die Dichte

Die Masse, das ist die Dichte. Nicht die Anzahl der Menschen ist relevant, sondern wie eng sie beieinander stehen. Das lässt sich am Beispiel eines Konzertes zeigen. Das Erleben ist sehr unterschiedlich, wenn dieselbe Anzahl Menschen ein Konzert auf einem weiten Feld oder in einem begrenzten Konzertsaal besuchen. Dieselbe Menschenmenge ist im Konzertsaal herausfordernder aber allenfalls auch stimmungsvoller. 

Ab fünf bis sechs Personen pro Quadratmeter beginnt es übrigens problematisch zu werden. Man behindert sich gegenseitig. Bei sieben wird es gefährlich und bei noch mehr ist man gut beraten, den Ort so schnell wie möglich zu verlassen. Leider ist das in solchen Situationen kaum noch möglich. Es lohnt sich deshalb, die Situation fortlaufend zu beobachten und vorausschauend zu handeln.

Bild aus der Ausstellung. Zwei Besuchende schauen in ein Zylinder der ein Quadratmeter Fläche hat. Im Zylinder befinden sich Sieben ausgestellte, gelbe Menschen die veranschaulichen wie eng es ist.  - vergrösserte Ansicht
Sieben Menschen pro Quadratmeter – was das heisst, wird in der Ausstellung sehr anschaulich aufgezeigt.
Vier Besuchende in der Ausstellung die zusehen wie sich eine rote Flüssigkeit als Masse bewegt.  - vergrösserte Ansicht
Bewegungen in einer dichten Menschenmasse lassen sich mit einer Flüssigkeit sehr gut simulieren.

2. Die Physik

Das hat mich überrascht: Um zu verstehen, was in einer dichten Menschenmasse passiert, braucht es nicht etwa die Psychologie, sondern die Physik. Wenn die Menschen dicht gedrängt sind, bewegen sie sich wie Kugeln in einem Behälter oder wie eine Flüssigkeit.

Das bringt uns zurück zu meinem Konzerterlebnis. Die Wellenbewegungen in der Menschenmasse vor der Konzertbühne waren nicht die Folge von Schubsern irgendwelcher rücksichtsloser Fans, sondern sie entstehen von selbst. Physikalisch gesprochen ist das System in einer dichten Menschenmasse instabil. Durch den permanenten Körperkontakt werden kleinste Bewegungen sogleich weitergegeben. Es entstehen Wellen, die durch die Masse laufen und wieder zurückbranden. Die Erkenntnisse der Physik helfen dabei, Massenveranstaltungen besser zu planen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

3. Die Euphorie (und die Ernüchterung)

Und plötzlich träume auch ich von einer Gesangskarriere. An einer Station in der Ausstellung kann ich Karaoke singen – gemeinsam mit einem Chor. Tatsächlich klingt das sehr gut, was der Chor und ich da zusammen kreieren! Ich lerne: Gemeinsam zu singen führt zu einer Art Harmonie. Ein gutes Gefühl. Gemeinsam sind wir stark und tragen uns zu Höchstleistungen!

Doch schnell merke ich dann, dass ein Teil davon nur Illusion war. Nüchtern wird die Aufnahme von mir mit Chor nun reduziert. Schritt für Schritt, bis nur noch meine Stimme allein erklingt. Schnell ist klar: Nein, das wird nichts mehr mit der grossen Bühne für mich. Aber – getragen von der Masse – kurz davon zu träumen, war dennoch schön!

Drei Besuchende die in der Ausstellung gemeinsam Singen. Es stehen Graue Mikrofone auf einem weissen Aufbau auf unterschiedlicher Höhe. Die "Singstation" befindet sich in einem weissen Kasten.  - vergrösserte Ansicht
Beim gemeinsamen Singen mit dem Chor entsteht ein gutes Gefühl!

Natürlich gibt es noch viel mehr zu entdecken in Massen – Foules – Crowds, als diese kleine persönliche Auswahl. Zum Beispiel 10 Tipps, wie man sich in dichten Menschenmengen verhalten sollte. Oder was Menschenmassen mit Gerüchten zu tun haben und wo die Masse intelligenter ist als die Einzelpersonen – all das finden Sie am besten selbst in der Ausstellung heraus. Noch bis am 19. Juli 2026.

Autor

Nico Gurtner, Leiter Marketing & Kommunikation, Museum für Kommunikation, Bern

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