Digitales Museum 1/3: Warum wir im Museum Nein sagen
Acht Jahre digitales Museum für Kommunikation. Was haben wir dabei gelernt?
Nicht alles, was digital möglich ist, ist sinnvoll. Unsere digitale Strategie ist kein PDF, sondern ein Filter: Sie hilft uns zu entscheiden, was zu uns passt, was wir betreiben können und was wir bewusst nicht tun.
Acht Jahre digitales Museum für Kommunikation. Fünf Jahre digitale Strategie. Viele Projekte, viele Tests, einige Abbrüche. Diese Serie erzählt nicht die Tool-Story, sondern die Entscheidungs-Story: Was hat Substanz, was war nur Phase, und was müssen wir im Alltag wirklich können? In drei Blog-Posts blicken wir zurück und fragen uns, was wir gelernt haben. Dieser erste Blog dreht sich um die Strategie.
Das digitale Museum ist bei uns nicht als Produkt gestartet. Es ist gewachsen: ausprobieren, verwerfen, weiterbauen. Nicht linear, sondern iterativ. Vor fünf Jahren haben wir eine digitale Strategie erarbeitet. Rückblickend war das kein Meilenstein fürs Schaufenster, sondern ein Werkzeug für den Alltag: ein Filter für Entscheidungen. Sie hilft uns bis heute, aus einer scheinbar endlosen Menge an Möglichkeiten das auszuwählen, was wirklich zu uns passt – und den Rest konsequent liegen zu lassen.
Ein Schlüsselmoment war dabei eine Phase, in der sich vor sechs Jahren die Rahmenbedingungen plötzlich drastisch verschoben haben. Digitale Optionen wurden in kurzer Zeit zu betrieblichen Notwendigkeiten. Als Leiter Ausstellungen und digitales Museum habe ich dazu Erfahrungen aus Transformationsgremien im Kulturbereich und aus Juryarbeiten eingebracht – und wir haben als Haus gelernt, wie schnell aus Plan B Plan A wird (siehe dazu auch den Blog-Post «Digitale Strategie und geschlossenes Museum»).
Learning 1: Strategie ist kein PDF. Sie ist unser Filter.
- Strategie passiert im Alltag. Sie ist der Moment, in dem wir sagen: Das machen wir – und das nicht.
- Die schwierigste Aufgabe ist nicht, Projekte zu entwickeln. Die schwierigste Aufgabe ist, Projekte nicht zu machen.
- Unser einfachster Test: Können wir den Mehrwert in einem Satz erklären? Wenn nicht, ist es kein Projekt – sondern eine Idee.
- Unsere Erfahrung: Weniger Strategie schreiben, mehr Strategie anwenden. Kurz, klar und anschlussfähig.
Fail: Wir haben viel zu lange an der Strategie herumgefeilt. Gut aber war, dass wir sie bereichsübergreifend iterativ erarbeitet und reflektiert haben.
Diese drei Aspekte – Aufgaben, Ambitionen, Faktoren – werden durch einen vierten begrenzt: die Ressourcen, das heisst die finanziellen Mittel sowie die Fähigkeiten und die verfügbare Zeit der Mitarbeitenden. In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Aspekte näher ausgeführt. (Visualisierung woowai)
In den Sitzungen des DigiLABs wird laufend eruiert, welche Technologien und Trends für das Museum für Kommunikation und das PTT-Archiv relevant sind. Dabei geht es nicht allein um die vom Museum und dem Archiv eingesetzten Technologien, sondern auch um Technologien, die die Gesellschaft und das Umfeld des Museums und des Archivs prägen. (Visualisierung woowai)
Strategie heisst auch: Dinge beenden
Wir haben vieles getestet: Roboter, digitale Führungen, live-Streams, VR-Räume oder partizipative Sammlungsarbeit über die Webseite. Einige Dinge waren sichtbar, spannend und im Test sogar erfolgreich – und trotzdem nicht nachhaltig im Betrieb. Das ist kein Drama. Das ist Reife. Nicht alles, was funktioniert, ist sinnvoll. Und nicht alles, was spannend ist, gehört dauerhaft ins Haus.
Ein Beispiel dafür ist Robotik: Sie hat bestens unterhalten. Sie hat uns aber vor allem geholfen, Rollen in der Vermittlung zu klären. Ob sie im Betrieb trägt, ist eine andere Frage. Genau darüber sprechen wir im zweiten Teil – inklusive Fail-Fällen.
Ausblick auf Blog 2: Betrieb, Infrastruktur, Daten, Standards – und die ehrlichen Stellen, an denen es nicht funktioniert hat.
Autor
Christian Rohner, Leiter Ausstellungen und Digitales Museum, Museum für Kommunikation, Bern