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Die PTT an der Landi 1939

Vom 6. Mai bis 29. Oktober 1939 fand in Zürich die vierte Schweizerische Landesausstellung (Wikipedia-Artikel), kurz "Landi", statt. Die im 19. Jahrhundert aufkommenden Landes- und Weltausstellungen wollten die Leistungsfähigkeit der nationalen Wirtschaften feiern und zugleich das Publikum belehren. An der "Landi" prägte einerseits die "Geistige Landesverteidigung" die Selbstdarstellung der Ausstellenden und die Schweiz wurde als einsame Zuflucht der Neutralität inszeniert. Andererseits zeigte an der Landi 1939 auch die moderne und vernetzte Schweiz ihr Gesicht. Unter euphorischer Begeisterung wurden neuste Telekommunikationstechnologien vorgestellt, mit welchen der internationale Austausch bedeutend vereinfacht werden konnte.

Rund 0,5 Laufmeter an Archivmaterial im PTT-Archiv bezeugen noch heute die zweifache Herausforderung, die die Landesausstellung an den Bundesbetrieb stellte. Nicht nur hatte die PTT die Gewährleistung der Kommunikationsbedürfnisse von Organisatoren und Publikum zur Aufgabe, sie agierte zugleich selbst als Ausstellerin.


Eventmanagement made in 1939

Auf dem Situationsplan (PTT-Archiv, Vers-033 A 0055) sind die beiden Seeufer des Zürichsees, die mittels Leitungen verbunden wurden, die Telefonzentrale, Sender und Empfänger sowie die Nebenstellen dargestellt. Insgesamt war die PTT mit vier Stellen vertreten: Auf dem rechten Seeufer standen das Hauptamt, der "PTT-Pavillon", und das Nebenamt, der "Eingang Enge". Auf der anderen Seite des Sees fanden Besuchende das Landbureau "Dörfli" sowie das Automobilpostbureau, das zugleich Ausstellungsobjekt war.

Quelle: PTT Jahrbuch 1939: S. 10.  PTT-Archiv, P-11-1.

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Aus der hierarchisch strukturierten Übersicht (PTT-Archiv, Vers-033 A 0055) lässt sich schliessen, dass die Landesausstellung in insgesamt 14 Abteilungen gegliedert wurde. Für die PTT waren vor allem die Abteilungen 2 (Elektrizität) und 12 (Verkehr und Transport) von Interesse. Zuoberst, in der Abteilung 1, stehen die "Heimat" und das "Volk" – der Fokus der Landi war somit gesetzt. Die Hierarchie lässt ebenfalls erahnen, dass die Elektrizität und die Technologien, die diese verwenden, so zweifelsohne das Radio, aber nicht zuletzt auch das aufkommende Fernsehen, als ungemein wichtig eingestuft wurden.

Quelle: Systematik des Aufbaus der Schweizerischen Landesausstellung 1939. PTT-Archiv, Vers-033 A 0055.

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Ein (inter-)nationales Fest der Technik

Die neuen Telekommunikationstechnologien drohten dem althergebrachten Postwesen nicht nur in der alltäglichen Verwendung den Rang abzulaufen, sondern schienen auch an der Ausstellung einen Grossteil des Rampenlichts auf sich zu ziehen. Die Übermittlung von Telefonrundsprüchen mittels der Hochfrequenztechnik versetzte einige Experten in Begeisterung (PTT-Archiv, T-00 B_0049_01): Gepriesen wurde nebst der neuen Störungsfreiheit nicht zuletzt auch der Umstand, dass pro Haus nur noch ein Telefon notwendig war, um mehrere Haushalte mit einem Anschluss zum Rundspruch zu ermöglichen. Die hochfrequente Übertragung war jedoch noch Zukunftsmusik. Selbst die Genossenschaft für Telefonrundspruch Zürich äusserte einige Bedenken bezüglich der Einführung der neuen Technologie.

Quelle: Brief der "Genossenschaft für Telephon Rundspruch Zürich". PTT-Archiv, T-00 B_0049_01.

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Eines der wichtigsten Projekte der PTT an der Landesausstellung war die Präsentation der internationalen Drahtlostelefonie, zu deren Zweck im Pavillon aufwendigste Infrastrukturen errichtet werden mussten. Die abgebildete Konferenzschaltung (PTT-Archiv, T-00 B_0049_01) der Hasler AG verdeutlicht die ausserordentliche Komplexität des Unterfangens.

Quelle: Konferenzschaltung für Auslandsgespräche. PTT-Archiv, T-00 B_0049_01.


Dieses Dokument (PTT-Archiv, T-00 B_0049_01) vom 15. Mai 1939 bezeugt den internationalen Austausch, in dem sich die TT-Abteilung in der Vorbereitungsphase befand, ein anschauliches Zeugnis der immer schneller fortschreitenden Globalisierung. Die direkte Verbindung der Schweiz mit dem Ausland, die eine Echtzeitkommunikation mit weit entfernten Bekannten und Familienmitgliedern ermöglichte, schien laut einem PTT-internen Bericht viele Besucherinnen und Besucher tief beeindruckt zu haben. Die emotionalen Reaktionen, die sich bei den Telefonierenden zeigten, können als direkte Folge der jahrelangen „Funkstille“ gesehen werden. Vor dem Bau des Kurzwellensenders Schwarzenburg war es einiges aufwendiger und komplizierter, eine stabile Telefonverbindung in weit entfernte Teile der Welt herzustellen. Die an der Landi offerierte Gratisminute ermöglichte wohl auch weniger wohlhabenden Schweizerinnen und Schweizern, die Stimmen von Verwandten oder Freunden endlich wieder zu hören – sicher eine gute Werbung für die PTT.

Quelle: PTT-Archiv, T-08 BCD_T-08 BCD 0174.

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Die Geburt einer Legende

Einer der zahlreichen Hingucker, die die PTT an der Landi von 1939 den neugierigen Augen präsentierte, waren die neu nicht mehr grün, sondern gelb angestrichenen Briefkästen, deren Farbe anlässlich des Events aufgefrischt wurde. Die Eisenbaufirma der Gebrüder Sägesser aus Worb steuerte einige der heute ikonischen gelben Briefkästen zur Landi 1939 bei. Die Bestellbestätigung (PTT-Archiv, P-00 C_0057_06 8232) vom 6. Februar 1939 nennt die benutzte Farbe "PTT-Royalin-Rapid gelb".

Quelle: Gebrüder Sägesser Bestellbestätigung No. 2076. PTT-Archiv, P-00 C_0057_06 8232.

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Personelle Herausforderungen

Ein Projekt im Umfang der Landesausstellung von 1939 bedingt die Mitarbeit zahlreicher Menschen aus verschiedenen Berufssparten. Angestellte erhielten unpersönliche Dauerkarten (PTT-Archiv, T-08 BCD_T-08 BCD 0174), welche sie berechtigten, sich zu ihren Arbeitszeiten auf dem Ausstellungsgelände aufzuhalten, ohne jeweils Eintritt bezahlen zu müssen. Trotz energischem Einsatz waren die Angestellten der PTT während der Dauer der Landi oftmals mit der überraschenden Menge von Besuchenden – tageweise über 100'000 an der Zahl – schlichtweg überfordert. Problematisch gestaltete sich diesbezüglich auch die Mobilmachung anlässlich des Zweiten Weltkriegs, die einen beachtlichen Teil der Mitarbeitenden in Beschlag nahm. Als Folge des Personalmangels litt die Kontrolle der Stände. Es wurden fotografierte Tausendernoten abgerissen und allgemein "allerlei entwendet oder beschädigt" (Bericht des Kommissars PTT, Januar 1940: S. 8-9. PTT-Archiv, Vers-107: A 0002). Um dem Personalmangel Abhilfe zu schaffen, versuchte die PTT unter anderem, für die Beamten der Post die "englische Arbeitszeit" (E-Periodica-Artikel) mit verkürzter Mittagspause einzuführen.

Quelle: Bericht des Kommissars PTT, Januar 1940. PTT-Archiv, Vers-107: A 0002.

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Einmal quer durch Europa und zurück

Anlässlich der Landesausstellung fanden diverse ausserreguläre Flüge der Luftpost statt. So kursierte die Swissair mit Postfracht auf dem ganzen Kontinent (PTT-Archiv, P-00 C LA 22 10:02), "um die Kunde von der Eröffnung dieser grossen nationalen Veranstaltung in fast alle Hauptstädte Europas zu tragen".

Quelle: PTT-Amtsblat 1939: S. 109. PTT-Archiv, P-13-1.

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Visionär: Ausblick Expo 1964

Landesausstellungen boten seit jeher eine Chance, die PTT im optimalen Licht zu präsentieren. In einem sich drehenden, kreisrunden Zuschauerraum, den Vertreter der PTT auch "Rotorama" (PTT-Archiv, Vers-049 A 0001:26) nannten, wurden an der Expo 1964 verschiedene Vorführungen gezeigt, die die Tätigkeiten der PTT präsentierten. In den Präsentationen wurden technische Neuerungen wie die Einführung der Postleitzahlen thematisiert, die den Zustelldienst in Zukunft in Richtung Automatisierung lenken sollten. Ebenfalls bemühte sich die PTT, auf ihre "humanitären Aufgaben" aufmerksam zu machen und damit an die Ausstellungsthematik der Weltoffenheit und Kooperation der Länder anzuknüpfen.

Der Auftritt der PTT bei der Expo 64 ist in einem Bestand von rund 2 Laufmetern gut dokumentiert. Im PTT-Archiv kann dieser auf Voranmeldung im Lesesaal eingesehen werden.

Quelle: Generalsekretär Morant, Korrespondenz Exposé 64. PTT-Archiv, Vers-049 A 0001:8.

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Frühere Jahresdossiers

Jahresdossier 2018: Landesstreik und Grippe 1918