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Beim Fernsprechen mit Sprechenden Namen

Ich wähle die Nummer 0800 765 43 21 und denke mir jedes Mal: So eine Nummer möchte ich auch haben!

Der Zug fährt just eben in einen Tunnel, der länger gebaut wurde als geplant, denke ich auch jedes Mal, wenn ich den Tunnel wahrnehme, und ich nehme ihn fast jedes Mal wahr, weil: «Hallo, Hallo, Hallo ...». Also, da geht ein Hallo durch den Wagen, das wie ein Echo klingt!

Da knistert es aus der «Leitung», die mittlerweile ja keine wirkliche Leitung mehr ist, weil drahtlos: «Spre  cher …,» und nix weiter mehr.

«Hallo …» (ich weiss, das war ein Unwort am Fernsprecher, aber wir kommunizieren ja heute und telefonieren nicht mehr) ruf ich durch den Tunnel zurück.

«Sprech ...» und wieder nix.

Ich schau auf mein Display. Empfang ziemlich ok, Verbindung stehe, versprechen die Symbole. Nur der Sprecher spricht nicht!

Kommunizieren ist oft eine Geduldssache.

Der Zug rast aus dem Tunnel, Licht flutet den Wagen mit Abendsonne. Und siehe da! Sprecher spricht:

«Büro für Kommunikation, Sprecher.»

«Sprecher? Büro für Kommunikation? Sagen Sie, sind Sie also der neue Mediensprecher?»

«Sagt man bei uns so, ja. Ich weiss: Sprechende Namen! Sprecher wie in Fernsprecher. Hellstern wie heller Stern. Hoby wie Hobby, aber nur mit einem b. Strauss wie der Vogel Strauss usw.»

Der hat Humor, also darf ich sicher mit einem Sprachspielchen aufwarten:

«Sagen Sie, ich such eigentlich die Person, die bei Euch das Sagen hat!»

«Meinen Sie Frau Sager?»

Fixes Bürschchen.

«Ja, Frau Sager, die das Sagen hat bei Ihnen,» dopple ich nach.

«Frau Sager hat heute nichts zu sagen. Und morgen und übermorgen auch nicht. Sie ist in den Ferien. Sagenhaft, nicht? Frau Wille – ihre Stellvertreterin – könnten Sie daten.»

Will ich mit Frau Wille ein Date?

«Daten, sagen Sie? Wie daten?»

«Frau Wille will, dass man mit Kunden ein Date vereinbart, wenn sie vorübergehend nicht zu sprechen ist. Sie will Sie dann zurückrufen, frei nach ihrem Motto: Wo ein Wille ist …

Also, wann kann Frau Wille Sie kontaktieren?»

«Ehm …Moment!»

Der geht aber zur Sache.

Was Wille will und Sprecher spricht, dem füge Dich und murre nicht.

Und ich blamiere mich. Sitze da, wie eine Maus vor einem hungrigen Kater.

Mein Kalender hängt nämlich an meinem Ohr. Die Sprechgarnitur ist nicht montiert, die liegt im Gepäck, weil ich das Ding im Zug ja nicht verwenden will! Ja, wo eine Wille ...!

Der nächste Tunnelabschnitt und ich wünsche mir, dass die SBB sich noch lange treu bleiben und ihre Kundschaft weiterhin im digitalen Dunkel fahren lassen.

«Hallo …»

Die fernmündliche Korrespondenz wird gestört. Aus gutem Grund! Der Tunnel dauert und dauert.

Die Leitung unterdessen tot.

Ich bin gerettet.

Danke SBB.

Und – wer hätte das je mal gedacht – heute geniesse ich das Reisen in vollen Zügen!

Dominique