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Ganz einfach Sprache

Es gibt Wörter (oder Worte?)*, Begriffspaare, Wendungen oder Dingedinge, die kann ich einfach nicht auseinanderhalten. Schlimmer noch: Ich meine jedes Mal, ich kenne die Bedeutung, weiss indes genau, dass ich besser ein weiteres Mal nachschlagen sollte, um den genauen Sinn zu verstehen:

Serendipity, Jerobam, Schwerenöter …

Oder Begriffspaare: Leichte Sprache – Einfache Sprache; kurzsichtig – weitsichtig; konkav – konvex.

Kind und Kegel; oder eben: Untiefe …

und mehr und mehr …

Sie wissen, was ich meine und also verzichte ich an dieser Stelle auf «Erläuterungen».

Auch kann ich nur schwer auseinanderhalten was «Food-waste» von «Food-loss» unterscheidet, obwohl es doch klar die Sache benennt: Verschwendung und Verlust von Futter für die Menschheit. Beides sind Verluste, die indes unnötig und unterschiedlich zustande kommen.

Genau ähnlich geht es mir bei «Einfache Sprache» und «Leichte Sprache». Ich frage mich immer, was denn der Unterschied sein könnte zwischen einfach und leicht? Ist «Leichte Sprache» nicht einfach auch einfach? Dass «Einfache Sprache» nicht leicht ist, das ahne ich dann aber schon auch. Wieso aber heisst es nicht «einfach und einfacher» oder «Leichte Sprache und Federleichte Sprache»?

Weil die beabsichtigte Unterscheidung nichts mit einer Steigerung zu tun hat?

Oder weil Sprache nur dann federleicht sein kann, wenn sie eben einfach ist?

Deshalb: einfach – leicht; und keine Steigerung von einfach zu einfacher resp. leicht zu leichter. Wäre ja zu schön gewesen, wenn die Feder als das Symbol für Schriftlichkeit weiterhin Verwendung fände in diesem Zusammenhang, auch wenn heute niemand mehr mit der Feder schreibt!

Um zu «begreifen» und zu verstehen, was sich wie unterscheidet – sprachlich, habe ich mich einer Übung unterzogen.

 

Das einfache Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus. Die meisten Menschen mit Corona werden nur leicht krank. Aber es gibt Menschen, die schwer erkranken, vor allem Menschen, die besonders gefährdet sind. Diese Menschen müssen oft auch ins Spital und können am Corona-Virus sterben.

Die Corona-Impfung schützt uns Menschen vor schwerer Erkrankung und hilft, dass weniger Menschen sterben.

 

Das leichte Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus.

Die meisten Menschen mit Corona werden nur leicht krank.

Aber es gibt Menschen, die schwer krank werden.

Vor allem Menschen, die besonders gefährdet sind.

Diese Menschen müssen vielleicht auch ins Spital.

Oder sterben daran.

Darum gibt es die Corona-Impfung.

Damit möglichst wenig Menschen schwer krank werden.

Und damit weniger Menschen sterben.

(Originalbeispiel aus dem Internet)

 

Das federleichte Beispiel:

Warum gibt es eine Corona-Impfung?

Weil es Corona gibt.

Die Impfung schützt vor dem Corona-Virus.

Also einfach impfen gehen.

 

Ganz einfach kann Sprache sein.

Und das soll sie auch sein.

Ganz einfach.

Wort um Wort.

 

Einfachst:

«Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,

Jah!, Drämmli, uf de warty nämmli!»

(Schnitzelbank an der Basler Fasnacht von «Ankeblüemli», 1973)

 

 

Dominique

 

*Vgl. Lull&Lall: Nr. 38: Das Wort haben die Wörter (15.03.2021)