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Aus Alt mach Neu

Heute gibt es keine Telephone mehr, allenfalls noch Telefone. Aber auch das ist nicht mehr korrekt, es sei denn, man zitiere aus der Vergangenheit resp. aus der Vorvergangenheit, als das «ph» korrekt noch den «Ton» wiedergab, der über Distanzen vermittelt wurde.

Telefone nennt man heute in der Regel Handys, aber gemeint sind meistens Smartphones (wieder mit «ph»!!), also smarte Telefone, die auch noch telefonieren können.

Als das Telephon noch ein Telephon war und über ein Netz mit unzähligen Leitungen daher kam, war das Leben noch nicht derart auf den Punkt getrimmt. «Telefonischer Schlendrian» könnte man das aus heutiger Sicht bezeichnen; es herrschte etwas Gelassenheit bei der «fernmündlichen Korrespondenz», auch wenn das Telephon «teuer» war. Nur im Hintergrund – an den Vermittlungspulten – herrschte emsiger Betrieb in Spitzenzeiten, was heute als Stress bezeichnet würde.

Mit den Smartphones soll Telefonieren billiger geworden sein und das Leben einfacher … (auch bei der Vermittlung, weil automatisiert und mit digitaler Vielfalt) frei nach dem Motto: «easy going is the way things are» oder weniger easy: «This is the way things are» (ins Althochdeutsche übertragen mit: Das ist der Lauf der Dinge).

Nur, nicht alle schaffen den Sprung in die ungebremste Modernisierung des Telefons. Wer mit der Wählscheibe gross geworden ist, ruft nicht nach seinem Smartphone, wenn «gekabelt» oder zum «Hörer gegriffen» werden soll!

Denn auch unsere Sprache hat ein Problem damit. Sie hinkt immer etwas hinterher oder wirkt manchmal etwas unbeholfen, wenn sie Dinge benennen muss, die sich wandeln oder gewandelt haben, obwohl sie immer noch das Selbe tun. Telefonieren zum Beispiel.

Telefonieren bleibt telefonieren, egal über welches Medium. Wie aber kann unsere Sprache ein Medium korrekt benamsen, das weit mehr als zum Telefonieren eingesetzt werden kann? Und: Was wird aus den Telephonen resp. Telefonen, mit denen man «nur» telefonieren konnte?

Da wird dann öfters einfach getrixt mit schmückenden Beiwörtern wie «Smart-Phones», da wird aber auch präzisiert für die «Video-Telefonie» oder nachgebessert mit Retronymen wie z.B. «Wählscheibentelefon».

Der Lauf der Dinge im Lauf der Zeit: Telephon – Telefon – Wählscheibentelefone – Tastentelefone – Mobiltelefone … Und daraus folgt dann auch, dass aus dem Netz ein «Fest»-Netz und ein Mobilfunknetz sprachlich entstanden sind, dass, weil es einen Farbfernseher gibt, es auch einen Schwarzweissfernseher geben muss (obwohl niemand den Fernseher in der Frühzeit mit so einem Monsterwort betitelt hätte!).

Das Alte passt sich dem Neuen an, damit es sprachlich überlebt. Das Alte wird modisch geliftet und kriegt ein neues Mäntelchen umgehängt. Es ist wie bei den Rufnamen, die aus Erika eine Rica erstehen lassen, eine Alex aus Alexandra … 

Aus Alt mach Neu. Das ist der Lauf der Dinge, the way things … 

Alles ändert sich.

Nur Dominique bleibt Dominique!

 

Dominique