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Life is not live, sometimes

Fussball ist nicht so mein Ding, ausser heute, weil ausserordentlich.

Ich bin auf 18 Uhr zu Besuch bei den Eltern; erst Apéro, dann Abendessen.

Nach der Begrüssung muckt Vater etwas rum. Die Schweiz fussballe heute gegen Bulgarien.

«Schau du nur. Nach der ersten Halbzeit hast Du dann genug, – wie immer – weil die ja eh verlieren», grummelt Mutter.

«Wir beide nehmen dann das Apéro beim Kochen in der Küche.»

Gesagt getan. Vater schaltet seinen Riesen-TV per Fernbedienung ans digitale Universum an. Bis das Gerät hochgefahren ist, hat unsere Nati bereits ein Tor geschossen.

«Eisnoll», dröhnt es aus der Stube.

«Hopp Schwiiz», gibt Mutter zurück in das Fussballuniversum.

Und dann überstürzen sich die Ereignisse. Zuerst auf dem grünen Rasen und dann in der Stube.

Vater kommentiert das Geschehen, weil der Livekommentar technisch bedingt ausfällt.

Da er das erste Tor selbstverständlich sehen will, trickst er die Liveübertragung aus und spult einige Minuten zurück. Während das Tor mehrfach in Zeitlupe und aus verschiedenen Perspektiven wiedergegeben wird (alles andere als live!), murkst der Router die Verbindung einfach ab. Blackout am Screen und ein Neustart ist erforderlich.

«Dami no moll, diese Swisscom!»

Als das Ding wieder hochgefahren ist, steht der live eingeblendete Spielstand auf 2:0.

«Herrgott, die haben ja schon wieder ein Tor geschossen!»

Also erneut zurückspulen und das 2. Tor – unlive – in allen Varianten des Wiederholens geniessen und kommentieren.

«Da spielen die einmal gut und dann macht die Swisscom mir einen Strich durch die Rechnung. Ich ruf die Morgen an.»

Aber das dicke Ende kommt erst noch.

Nach dem Replay für das 2. Tor schaltet Vater endlich auf «live ansehen» und kann es nicht fassen. Es steht unterdessen 3:0!

Was jetzt folgt, kennen wir schon.

Ich selber hoffe insgeheim, dass Swisscom ihre Dienstleistung endlich vollwertig erbringt, das Spektakel ein Ende nimmt, und wir zur Tagesordnung übergehen können.

Tatsächlich. Vaters Kommentare deuten darauf hin, dass das Spiel nach einer Viertelstunde zur Farce verkommt.

Wir können also getrost das Nachtessen auf die 2. Halbzeit planen, wie ursprünglich geplant und ungestört. Auch Vater sieht das so: «Das Ding ist gegessen, wenn sie nicht wieder ins alte Muster zurückfallen …»

Also essen wir, wie ursprünglich geplant und unterhalten uns wie immer: analog und live!

 

Dominique