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Das Wort haben die Wörter

«Keine Widerwörter, bitte!»

So schrieb meine Korrektorin einmal, dereinst oder sintemalen an den papierenen Rand meines Manuskriptes; mit Rotstift und gewollt mehrdeutig.

«Damit man es besser sehen und lesen kann. Nur deshalb rot und nicht wie die Schulmeisterin in früheren Jahren». Das waren ihre Worte – sorgsam gewählt – als ich mich gewagt hatte, meine witzig gemeinten Widerworte anzubringen zu ihrem sehr korrekten Schreibstil in Rot. Mit andern Worten und als Dankesworte: «Sehr leserlich und dazu in Rot. Besten Dank, meine Liebste!»

Widerworte wechselten wir danach des Öftern und immer wieder, weil ich gerne auf ihren Kommentar betr. «Widerwörter» anspielte und ihr beweisen wollte, dass ich gar etwas gelernt hatte und es anzuwenden beabsichtigte.

Soweit meine Einführungsworte. Jetzt zu meinen Worten zum Tag. Es geht nämlich um Wörter resp. um Worte. Wir erleben das ja jeden Tag und sprechen oder schreiben es oft korrekt, wenn wir es auch nicht bewusst tun.

Es ist Gewohnheit, auch Intuition. Beginnt man indes zu überlegen, ob es nun Worte oder Wörter sind, die wir sprachlich zutage fördern, dann wird es schnell einmal kompliziert und unüberschaubar im Wörterwald des Deutschen. Also nachschlagen im Duden-Wörterbuch. Da stehen über 100‘000 Wörter. Und dort umschreiben wiederum viele einzelne Wörter ein je einzelnes Stichwort (Mehrzahl: Stichwörter).

Soweit alles klar, oder?

Aber Worte sind nun mal keine Wörter. So gut es eben keine Passworte gibt, sondern nur Passwörter, so gibt es auch keine Widerwörter sondern nur (und immer wieder hoffentlich) Widerworte.

Die Regel für diesen Wortsalat (allenfalls Wortesalat?) könnte man so aufstellen: 

 

«Worte» werden verwendet, wenn ein Zusammenhang ausgedrückt werden soll. Sie sind quasi die Salatsauce, aus Öl und Essig zusammengefügt. Sie bilden aus Einzelteilen ein Grosses Ganzes. «Worte» verwendet man deshalb auch in der Rhetorik; sie kommen geflügelt daher oder bilden die letzten Worte im Leben eines Menschen.

«Wörter» hingegen sind einzelne Steine im Steinbruch unseres Wortschatzes. Sie verbringen ein Einsiedlerdasein wie die Fremdwörter. Sie sind einzig-artig wie Passwörter. 

 

Hmm.

Ja, aber und trotzdem …

Ich für mich bleibe dabei: Solange die Wörter das Wort haben, fehlen mir ab und zu die Worte!

 

 

Dominique (heute etwas wortlos)