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Auf Schlafsuche durch die Schweiz

Schäfchen zählen – wenn man nicht einschlafen kann – ist litaneienhaft, ja, aber auch etwas fantasielos und also langweilig.

Ich orientiere mich da jeweils an einem Wort, das einmal ein Staatengebilde bezeichnete in Richtung Orient: Tschechoslowakei.

Wenn ich das Vokabelgebilde von links nach rechts fehlerfrei daherbuchstabieren kann, wechsle ich die Richtung, frei nach Francis Picabias Bonmot: «Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.»

Je öfter der Schlaf nicht kommen mag, desto simpler wird diese Besänftigungsübung.

Also lass ich mich nicht ins Bockshorn jagen von den aktuellen Reisebeschränkungen und ziehe etwas durch die Schweizerlanden – als Kopfreislein …

Ich stell mir vor, dass ich ungehindert und frei mich von A nach B bewegen kann, also von Rapperswil nach Römerswil und weiter nach Richterswil, Giswil … bis ich alle Ortschaften, die auf «-wil» enden, bereist habe. Dauert schon mal eine Weile, nicht?

Ich lass mich dazwischen gerne auch ablenken, im Wissen, dass das den Schlaf nicht fördert. Aber es gibt Ortschaften in der Nähe der «-wils», die faszinieren, reizen mich des Namens willen: Entlebuch (auch als grösstes Buch der Welt bezeichnet), Buchrain oder einfach kurz: Buch.

Oder, wenn die «-wils» in Langew(e)ile zu versinken drohen, suche ich nach Handfesterem, Konkretem wie Frauenfeld, Fraubrunnen, Frauenkappelen und so.

Es kommt auch vor, dass ich auf Exoten stosse: Ftan. Nuglar. Lotzwil. Es kommt auch zu überraschenden Trouvaillen wie: Engelberg, Ziegelbrücke, Strengelbach ... Da seh ich nicht rot, ich entdecke gelb!

Und so weiter …

Und wenn die Nacht dann einfach nicht vorüber gehen will, so orientiere ich mich an den Sortierbeamten, die sintemalen in den Brief- und Paketzentren die Schweiz nach Postleitzahlen rauf und runter deklinieren konnten:

4412 Nuglar …

6162, 6163 Entlebuch

Gute Nacht dann liebes DotNacht (8566 TG) und guten Morgen neues SamsTagern (8833 ZH).

 

Dominique