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Selber machen

Früher – ja, früher – hat man sehr viel selber gemacht: in der Werkstatt, im Garten, im Haushalt, handgemacht, eingemacht: Brote, Konfitüre, Bohnen in Einmachgläser … 

Heute macht man nichts mehr selber wie früher. Heute macht man als Self-made Maid oder Self-made Manservant alles selber-selber: Man bestellt online im Internet und schwups, da ist die Post am nächsten Tag. Heute kauft man nicht nur, man reserviert, bucht, bezahlt im Voraus – alles selber, damit man dann mit der bestellten Ware oder Leistung etwas selber machen kann, muss, soll … 

Eben: selber-selber.

Und wenn alles von selber geht, dann spricht man von Effizienz und so.

Wenn dann aber etwas nicht von selber – also von selbst – geht, und das ist schon fast zur Regel verkommen, dann verselbständigt sich ein System, wird alles so kompliziert, dass sogar künstliche Intelligenz zum Schatten ihrer selbst wird. Auch menschliche Intelligenz – wenn noch vorhanden – ist bald einmal am Limit, denn was beim Online-Self-Maden gefragt ist, kann mit Intelligenz nicht entwirrt werden.

«Upps, da ist was schief gelaufen. Bitte versuchen sie es noch einmal ...»

«Es gab ein Problem bei der Bearbeitung dieser Anfrage. Wir arbeiten daran, den Fehler so bald wie möglich zu beheben.»

«Es ist ein Problem aufgetreten mit Ihrer Zahlung. Bitte ….»

Kann ja vorkommen. Kann man ja noch «verstehen» bei so viel smarter Technologie – wirklich.

Aber, und nun wird es deutlich einfacher, und dennoch nicht nachvollziehbar:

Man legt seine Siebensachen in einen Warenkorb, in dem alles schön aufgelistet wird, bevor es zur Kasse geht. Zwei Klicks weiter und im Maileingang taucht auch schon die Bestätigung der Bestellung auf. Gesamtbetrag stimmt; die Lieferzeiten sind angegeben und meine Kreditkarte werde belastet.

«Vielen Dank für Ihre Bestellung.»

Alles paletti also. Jetzt kann man sich nur noch freuen!

Nur, man hat die Rechnung nicht mit den Wirten im Internet gemacht!

Denn nach einer Woche wird erst einmal eine Sache aus dem Warenkorb geliefert. Und wo bleiben die anderen Dinge? Egal. Da waren‘s nur noch sechs Waren.

Nach zwei Wochen eine Mail, die mit einem «Bedauern» beginnt:

«Guten Tag Frau/Herr Dominique,

wir bedauern Ihnen mitzuteilen, dass wir den Artikel Alutisch1 Ablage, HKP (Art.-Nr.: 5805571) aufgrund eines Lieferengpasses unseres Lieferanten voraussichtlich erst ab 22.10.2020 versenden können.

Wir bitten Sie um Verständnis und bedanken uns herzlich für Ihre Geduld.»

Hey Leute, ich brauch das Ding aber wie beim Bestellen angekündigt und versprochen am 12. 08.2020 und nicht fast 3 Monate später!! Ich brauch es tatsächlich, darum hab ich es doch frühzeitig bestellt!

Meine ehrlich geäusserten Argumente verebben im Netz und meine Wut steigert sich, als ich die Bedingungen für eine Stornierung endlich auffinde im Kleinstgedruckten, zuhinterst, unter vielen, vielen anderen Antworten zu vielen, vielen anderen wichtigen Fragen rund um das Online-Bestellen. Da heisst es:

«Kann ich meine Bestellung stornieren?

Nein, eine Bestellung kann leider nicht storniert werden. Für uns ist es wichtig, dass jede Bestellung so schnell wie möglich bearbeitet werden kann. Deswegen wird sie direkt ausgelöst und geht ruckzuck in den Versand.

Falls Du den bestellten Artikel doch nicht mehr benötigst, schick ihn einfach innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt zurück. Das Geld erhältst Du dann natürlich zurück.»

Ruckzuck wird mir klar und deutlich vor Augen geführt, wie Effizienz und viele andere Ausdrücke aus der Wa(h)renwelt der Wirtschaft auch interpretiert werden können.

Effizienz z.B. ist, wenn man bequem von zuhause mit wenigen Klicks einfach alles bestellen darf, damit alles in time produziert und versandt werden kann. Ich liefere alle meine Kontakt- und Bankkontendaten, akzeptiere alles, damit endlich der Verkäufer seine Ruhe gibt und meinen Wünschen entgegen kommen darf. Ich arbeite für ihn, ohne dass er mir preislich entgegen kommt. Ok, ist ja meine Entscheidung.

Aber … jetzt kommt‘s dicke.

Ich bin mit meiner Bestellung auch verantwortlich dafür, dass Dinge produziert und viel zu spät versandt werden, obwohl ich diese Dinge dann nicht mehr verwenden kann. Ich lasse für die Halde produzieren und beruhige dafür mein Gewissen mit freiwilligen CO2-Abgaben!

Hat meiner Meinung nach nix mit Effizienz zu tun, denn Effizienz meinte mal: «günstiges Verhältnis zwischen erbrachtem Aufwand und erzieltem Ergebnis, hoher Wirkungsgrad, Wirtschaftlichkeit».

Ich weiss, ich liege falsch, wenn ich mit Schlagertexten «von früher» auffordere zu:

«Hey Leute, kauft beim Trödler Abraham!

Seht euch mal um beim Trödler Abraham!»

Abraham hat nämlich nur, was er hat. Nix auf Bestellung, kein Versand, dafür rezykliert und preisgünstig!

Oder, Leute: Geht wieder mal an die frische Luft, macht Dinge einfach auch wieder selber. Ist letztlich nicht aufwändiger, sicher aber erfreulicher und passgenau nach euren Wünschen!

Dominique