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Das Ding mit dem Dings

Ich hab einmal mehr etwas genauer hin- und zugehört, gestern Abend beim Essenvorbereiten und beim Essen am Tisch mit Kindern und Erwachsenen.

«Obwohl ich mich während des Studiums stets richtiggehend bemüht habe, korrekte und die richtigen Worte für präzise Beschreibungen meiner Gefühle und meiner Umwelt zu finden, bin ich heute nach wie vor nicht viel weiter gekommen mit meinem sprachlichen Ausdruck», meint Sebi (Koseform für Sebastian) in die fröhliche Runde.

Er berichtet uns beim Kochen über seinen ständigen Kleinkrieg mit allen möglichen Dingen des Alltags, die sich tückisch gegen ein Benanntwerden stemmen.

Da platzt auch schon Aimée dazwischen mit: «Wo ist das Dings?!», meint wohl ihr Smartphone, das sie vor dem Reiten zuhause lassen musste und nun krampfhaft sucht.

«Könntest Du mir den Ding rüberreichen», witzelt Jedi (Pseudonym für Sebis Frau) zum Chefkoch, der ihn nicht mehr braucht zum Pfeffern des Roten Herings.

Ja, es ist so ein Ding mit dem Dings!

Beim Essen – alle sind guter Dinge – geht es dann auch richtig dingsig zu! Erst einmal die alltäglichen Dinge mit dem Dingsda oder dem Dingsbums benamsen.

Dann die nicht-alltäglichen, darunter witzige, spielerische Anwendungen. Sodann mischt sich das kulturelle Gedächtnis ein mit einem Kulturgut, das fast schon vergessen war: «Ohne Dings kein Bums» – wie das Dings vor über 20 Jahren als Präventionsslogan die Runde machte; dieses Ding, das als Dingsbums offiziell keinen Plural haben soll und als genderneutral (n; f; m) verwendet werden kann.

Und das in allen Sprachen dieser Welt: Whatchamacallit!, ahí, ate ...

Topmodern, geeignet auch für Einfache Sprache und Leichte Sprache, gar federleichte Sprache!

 Alle verwenden es, alle verstehen es – dieses Ding oder Dings – aber niemand weiss, was es schlechterdings bedeutet, weil dieses Ding eben für alles, jede und jeden – jeglichen Alters – als Platzhalter, Stellvertreter ins Amt gesetzt werden kann.

{Der Platzhalter hier steht für Dinge, die sich dingswidrig verhalten gegenüber Leichter Sprache; Sprachgewichtige lesen den Fussnoteneintrag unten!}1

Bleibt platterdings nur noch die Frage zu klären, ob es neben einem Dingsda auch ein Dingsdort gibt?

Allerdings, gut Ding soll Weile haben!

Dominique

 

1 Im «Dinge-Platzhalter» stünde der Absatz:
Ein Unobtainium – ein Nichtzukriegium – für Filmfreaks ein Macguffin, für Literaturaffine ein veritabler Odradek – dingartig, vieldeutig, rätselhaft, eine «Umrahmung» mit einem «shape», dessen Inhalt multivariabel ist, nicht fassbar als eine präzise Gestalt. Und trotzdem: «Verstanden» wird!