Die Welt um uns fordert uns immer wieder heraus, mit rasanten Entwicklungen, neuen Technologien und weltpolitischen Krisen. Gut bietet Kultur dazu einen Kontrast, einen Halt, einen Ort der Reflexion. Wie attraktiv das sein kann, zeigt das erneut sehr erfolgreiche Jahr des Museums für Kommunikation. Mit unterhaltsamen und trotzdem tiefgründigen Ausstellungen ziehen wir immer wieder sehr viele Interessierte an. Wir freuen uns, dass wir mit unserer offenen Haltung ein sehr diverses und vielfältiges Publikum ansprechen. Ihnen widmen wir unseren Jahresbericht 2025.
Insgesamt begrüssen wir 2025 131’114 Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Lebenswelten im Museum. Das ist nach 2024 (140’233) das zweitbeste Ergebnis in der fast 120-jährigen Museumsgeschichte. Rund die Hälfte des Unterschieds zu 2024 ist auf die Kontingentierung der Schulklassen zurückzuführen, die wir auf Grund des Andrangs einführen müssen. Bei den Schulen, Kulturinteressierten und Familien bleibt unser innovatives Angebot besonders beliebt. Wir gehören zu den drei bestbesuchten Museen der Stadt Bern, obschon wir deutlich weniger Ausstellungsfläche haben als andere Häuser.
Mit der Ausstellung DANCE! können wir unser Publikum einmal mehr überraschen. Die Ausstellung setzt stark auf das Bewegungserlebnis und ist so erfolgreich, dass wir sie um anderthalb Monate verlängern. Sie erreicht letztlich die Zahl von insgesamt 80’149 Besuchenden. Ein absoluter Höchstwert.
Anmerkung zur Grafik: In den Jahren 2016 und 2017 hat das Museum wegen Umbauarbeiten mehrere Monate geschlossen. 2020 und 2021 führt die Corona-Pandemie dazu, dass die Museumstüren über längere Zeit geschlossen bleiben.
Seit über acht Jahren ist unsere Kernausstellung geöffnet und erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit. Dies spiegeln sowohl die hohen Besuchszahlen als auch die zahlreichen positiven Rückmeldungen wider. Einen entscheidenden Beitrag leistet dabei das «dynamische Kuratieren»: Wir aktualisieren regelmässig einzelne Ausstellungsteile oder überarbeiten Texte, damit die Ausstellung stets aktuell bleibt und attraktiv wirkt.
Nach der Ausstellung DANCE! (08.11.2024-31.08.2025) eröffnen wir im Dezember die neue Ausstellung Massen – Foules – Crowds. Plötzlich ist der Mensch kein Individuum mehr: Ein endloses Gedränge staut sich vor einem Engpass, ein Meer aus Menschen jubelt an einem Fussballspiel. Was passiert da, wenn wir in der Menge aufgehen? Diese Ausstellung dekonstruiert das negative Bild der Masse aus verschiedenen Blickwinkeln. Besuchende entdecken die beengende, befreiende und erstaunliche Wirkung, wenn wir viele sind. Erkenntnis: Wir sind alle Schafe.
Ein ganzes Museum einmal nur für sich haben, ist ein exklusives Vergnügen mit hohem Unterhaltungswert. Das bleibt in Erinnerung! Auch in diesem Jahr finden zahlreiche stimmungsvolle Anlässe mit Firmen und Institutionen statt, die unsere Ausstellungen für Jubiläen, Kund:innenanlässe oder Firmenfeste nutzen. Trotz zahlreichen Vermietungen liegt der Umsatz knapp unter den budgetierten Einnahmen.
Daneben finden im Museum zahlreiche eigene Veranstaltungen statt – wie zum Beispiel ein Rampenverkauf, um ausrangiertem Material des Museums ein zweites Leben zu ermöglichen.
Dieses Mal eröffnen wir Gezeichnet 2025 gleichzeitig mit der grossen Wechselausstellung Massen – Foules – Crowds. Zum elften Mal sind die wichtigsten Schweizer Pressezeichnenden zu Gast im Museum für Kommunikation. Diese Ausstellung bietet einen spannenden Einblick in die Welt der Pressezeichnung und zeigt die Vielfalt und Kreativität der Schweizer Pressezeichner:innen.
2025 gelingt es die Gruppenbesuche besser übers Jahr zu verteilen. Längere Zeiten der Überlastung können so vermieden werden. Insgesamt buchen 696 Gruppen einen geführten Anlass. 1504 Schulklassen besuchen das Museum. Die qualitativen Feedbacks sind sehr gut.
Im Museum nehmen die Kommunikator:innen ihre vielseitige Rolle als Gastgebende wahr. Und es gehören immer auch Lernende von Post und Swisscom zum Team. Im Fokus der Arbeit der Kommunikator:innen steht der Dialog mit dem Publikum auf Augenhöhe. Ihre permanente Präsenz als Vermittler:innen ist unser Alleinstellungsmerkmal. Dieses Konzept der Museumsvermittlung stösst auf breites nationales und internationales Interesse. Wir führen diverse Workshops, Seminare, Beratungen und Vorträge rund um diese sogenannte «Berner Formel» durch.
Mit «Bisschen theoretisch» lancieren wir zwei neue Vermittlungsformate: Öffentliche Mittagsführungen mit Sandwich und Talk mit einer Fachperson, immer am letzten Freitag im Monat. Sowie Podcasts mit Expert:innen zu einzelnen der ausgestellten Kommunikationstheorien. Die Resonanz ist sehr positiv.
Das Kalenderjahr 2025 steht ganz im Sinne der Vernetzung der Sammlungen. So können wir neben der bereits bestehenden Arbeitsgruppe Post, nun auch eine Arbeitsgruppe Swisscom gründen. Mitarbeitende beider Stifterinnen tauschen sich nun zweimal jährlich mit den Kurator:innen des Museums aus. Für die Mitarbeitenden der Stifterinnen Post und Swisscom wird das Museum und seine Sammlungen greifbarer und relevanter, für das Museum und vor allem für die Sammlungen sind die Einblicke in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Unternehmen von grossem Interesse.
Wir vernetzen zunehmend unsere Sammlungsobjekte untereinander, sodass im digitalen Raum Kontexte geschaffen werden.
Das Urheberrecht bremst unsere Bemühungen, unsere digitalen Daten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zwar können wir uns auf Schrankenregelungen für Kultureinrichtungen berufen, die erlaubte Bildgrösse jedoch gibt uns nur wenig Spielraum – wir können nur sehr stark reduzierte Fotografien online bereitstellen. Hier suchen wir Lösungen, um weiterhin für Recherchen und Bildanfragen attraktiv zu sein.
Insgesamt beantworten wir starke 567 Anfragen an die Sammlungen (Vorjahr: 591), darunter viele Medienanfragen. Wir erschliessen rund 7’700 neue Datensätze und lassen knapp 15’000 Bilder digitalisieren. Einen Grossteil der Datensätze zeigen wir auf unserem Onlineportal und generieren dort zusammen mit dem PTT-Archiv knapp 57’000 Seitenaufrufe.
Unser Café Pavillon ist beliebt im Quartier und wird auch von den Museumsbesuchenden sehr geschätzt für einen gemütlichen Imbiss, ein Gespräch bei nachhaltigem Kaffee oder ein schmackhaftes, frisch zubereitetes Mittagessen. Unser nachhaltiges, lokales und frisches Angebot lockt insgesamt rund 35’000 Gäste ins Café (2024: ~44’000 / 2023: ~41’000).
Unser liebevoll kuratierter Museumsshop ist eine wichtige Ergänzung unseres Angebotes. Er hat sich etabliert mit seinen Produkten, die einen engen Bezug zum Museum haben. Als nachhaltig ausgerichtete Geschenkboutique legen wir Wert auf ein eigenständiges Angebot mit besonderen Produkten, deren Geschichten wir den Besuchenden erzählen. Der Shop-Umsatz sinkt im Vergleich zum Vorjahr und liegt etwas unter den budgetierten Einnahmen.
Im Museumsquartier Bern kommen Kultur, Geschichte, Wissenschaft, Kunst und Innovation zusammen und inspirieren mit einem lebendigen Zusammenspiel von Eindrücken und Emotionen. Das Museum für Kommunikation ist stolz, ein aktiver und relevanter Teil dieses pulsierenden Netzwerks zu sein. Mit insgesamt 525'876 Eintritten (2025) ist es das grösste Kulturareal der Schweiz.
2025 startet nach der Aufbauphase die Realisationsphase mit einer neu entwickelten Dachmarke, einem gemeinsamen Ticketing und einer neuen Website. Die Verbindung der Häuser wird damit deutlich spürbarer gegen aussen. Auch im sogenannten Museumsgarten, wo neues Mobiliar die Aufenthaltsqualität verbessert. Neben den zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen und Anlässen im Museumsgarten werden auch die Bauvorhaben weiterentwickelt. Zum Ende des Jahres startet ein städtebaulicher Studienauftrag, der das Museumsquartier als zusammenhängenden Kultur- und Stadtraum weiterentwickeln und die Grundlage für eine gemeinsame, langfristige Arealplanung schaffen soll. Im Auftrag wird auch eine Erweiterung des Museums für Kommunikation mitgedacht.
Das Team des Museums für Kommunikation arbeitet in allen Projekten des Museumsquartiers intensiv mit.
Nachhaltigkeit gehen wir seit Jahren systematisch an. Um eine stetige Weiterentwicklung sicherzustellen, setzen wir uns in allen Bereichen jährlich Nachhaltigkeitsziele und wir organisieren zwei interne Teamanlässe zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit. Diversität ist ein entscheidender Beitrag zu einem interessanten Museum und Archiv.
Einen Fokus haben wir 2025 auf das Thema Mobilität gesetzt und bei der sozialen Nachhaltigkeit haben wir uns im Rahmen eines mehrmonatigen Projektes mit rassismuskritischen Narrativen im Museum auseinandergesetzt. Eine Arbeitsgruppe mit externen Expert:innen hat unsere Museumsarbeit kritisch hinterfragt und gemeinsam mit dem Museumsteam eine Haltung und erste Massnahmen definiert. In einem Heft veröffentlichen die Projektbeteiligten Erfahrungen und Ergebnisse anfangs 2026.
Im Ausstellungsbau nimmt das Museumsteam Lerneffekte aus der nachhaltigen Vorzeigeausstellung Planetopia mit und reduziert weiterhin die ökologischen Auswirkungen. In der Ausstellung DANCE! basiert die Szenografie auf dem Truss-System, das für Bühnenbauten verwendet wird. Diese Bauelemente waren bereits anderswo im Einsatz und werden anschliessend weiterverwendet. Beim Rückbau fällt damit deutlich weniger Abfall an. Was an brauchbarem Material nach dem Abbau zurückbleibt, wird in einem Rampenverkauf für wenig Geld zur Weiterverwendung angeboten. Rund 200 Elemente finden so einen neuen Einsatzort und reduzieren die Abfallmenge weiter.
Bei Dienstreisen verzichten wir wo immer möglich auf Flüge. Den Stromverbrauch haben wir weiter reduziert und den Papierverbrauch senken wir mit dem Vermeiden von Überschüssen (Marketing) und der Aufforderung an Lieferant:innen, uns Rechnungen digital zu senden. So arbeitet das Museum weiter an seiner Vorreiterrolle im Bereich ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit.
Im digitalen Raum bleibt die Präsenz des Museums dank fortlaufender Aktivitäten hoch. Unsere Website als Portal in der digitalen Welt verzeichnet insgesamt 177’000 User:innen (2024: 200’000 / 2023: 220’000 / 2022: 151’000). Sie verweilen durchschnittlich eine Minute und 26 Sekunden auf unserer Website und sehen sich acht Seiten an. Die Anzahl der User:innen hat zwar etwas abgenommen, dafür verweilen sie etwas länger auf der Seite und sehen sich mehr Inhalte an. Zurückzuführen ist diese Veränderung auf Large Language Models (KI), welche direkt Antworten ausspielen und einen Zugriff auf die Website für einfache Fragen (Öffnungszeiten, Preise etc.) überflüssig machen. Der Museumsblog hat sich dank vielfältigen und fachlich spannenden Beiträgen etabliert und erreicht erneut ~40’000 Views (2024: ~40’000).
Auch in den sozialen Medien erreicht das Museum 2025 ein grosses Publikum. Insbesondere die Einblicke in die Sammlungen erreichen ausserordentlich hohe Reichweiten, damit schnellte die summierte Reichweite massiv nach oben. Über alle sozialen Medien folgen uns über 10’000 Personen und wir erzielen eine aufsummierte Reichweite von 445’000 (2024: 176’000 / 2023: 172’000). Die Fokussierung auf aktuelle Social Media Kanäle (ohne Facebook und X) lohnt sich, die Reichweite unserer drei Kanäle Instagram (+454%), LinkedIn (+24%) und TikTok (+196%) ist jedes Jahr gestiegen.
Die Eintritte liegen etwas unter dem Rekordwert von 2024 (-7.5%). Auf Grund einer notwendigen Preiserhöhung liegen die Einnahmen aus Eintritten trotzdem höher als im Vorjahr (+3%), allerdings nicht ganz so hoch wie budgetiert (-3%). Der leichte Rückgang der Besuchszahlen wirkt sich auch auf andere Einnahmen aus.
Insgesamt liegen die Eigeneinnahmen 5% unter dem Budget. Das Café Pavillon (11% unter Budget) und der Museumsshop (23% unter Budget) erreichen den budgetierten Umsatz nicht. Auch bei den Führungen verzeichnen wir einen Umsatzrückgang, liegen aber immer noch über dem Budget (25% über Budget). Die Raumvermietung (15% unter Budget) schliesst knapp unter dem Budget ab.
Entlastet wird die Rechnung auch durch Einsparungen, welche das Museum fortlaufend umsetzt (Verbesserung der Energieeffizienz, Budgetkürzungen, Einsparungen). Die Rechnung 2025 schliesst mit einem Minus von CHF 5’574.
Der Deckungsbeitrag liegt bei 28.8% (2024: 28.1% / 2023: 24.7%).
| Ertrag | 7’584’053 | |
|---|---|---|
| Museumsbetrieb (Einnahmen und Finanzerträge) | 2’084’053 | |
| Beiträge Dritter | 100’000 | |
| Beiträge Stiftungsträger | 5’200’000 | |
| Zusatzbeiträge Stiftungsbeiträger (Überbrückungsfinanzierung) | 200’000 | |
| Betrieblicher Aufwand | 7’097’055 | |
| Personal | 4’108’455 | |
| Raumaufwand | 888’473 | |
| Ausstellung, Digitales Museum, Sammlungen | 1’057’393 | |
| Fahrzeug- und Transportaufwand | 16’574 | |
| Sachversicherungen, Abgaben, Gebühren, Bewilligungen | 52’925 | |
| Verwaltungs- und Informatikaufwand | 320’512 | |
| Aufwand Marketing und Kommunikation | 407’188 | |
| Sonstiger betrieblicher Aufwand | 245’535 | |
| Finanzaufwand und Finanzertrag / Zuweisungen / Entnahmen | 492’572 | |
| Abschluss | –5’574 |