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Frühere Archivköniginnen

Unter dieser Rubrik werden mehrmals pro Jahr einzelne Archivalien aus den Beständen des PTT-Archivs vorgestellt.

 

 

November 2015 bis Januar 2016

Lawine am Julierpass

Postkurskarte und weitere Archivdokumente zum Ansehen. Bitte Bild dafür anklicken.

Das Wetter meinte es nicht gut mit Postillon (Gespannführer) Florin und Kondukteur Baselgia, als sie an diesem 13. Dezember anno 1916 Silvaplana auf ihrem Zweispänner-Schlitten in Richtung Julierpass verliessen. An Bord zwei Mitreisende, Gepäck und Post. Seit Tagen fiel der Schnee in rauen Mengen, sodass praktisch der gesamte Verkehr im Oberengadin zum Erliegen kam. Den Zielort Mühlen (Mulegns) sollte das Gespann nie erreichen. Die Schneelawine kam aus dem Nichts und verschüttete den Postschlitten rund vier Kilometer ob Silvaplana. Der Schlitten wurde von der Lawine ins nahe Bachbett gerissen. Glücklicherweise kamen keine Personen zu Schaden und es gelang sogar die Bergung eines Pferdes und der Briefpost. Abgekämpft, müde und stark unterkühlt kehrten die vier Verunfallten zu Fuss nach Silvaplana zurück.

Diese Geschichte zeigt, mit welchen Gefahren und Strapazen die Alpenpost vor gut 100 Jahren zu kämpfen hatte. Wegen seiner „relativen“ Lawinensicherheit wurde der Julierpass zum bevorzugten Tor ins Oberengadin. Eine offizielle Postkutschenstrecke über den Julier wurde 1843 eröffnet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts begannen die Kantone und ab 1848 die Eidgenossenschaft – mit ihr die schweizerische Post – eine grössere Kontrolle über den Alpentransport auszuüben. Wie in vielen Landpoststellen auch, wurden die Postkutschenkurse oft über Konzessionen an Private abgetreten. Die Familie Balzer aus Mühlen übernahm die zuerst vom Kanton Graubünden und später von der schweizerischen Post ausgeschriebene Strecke. Sie führte den Waren- und Menschentransport über den Julier mehr als 100 Jahre aus und hatte im Jahr des Unglücks 1916 die Konzession für die Strecke.

Link zum Archivdokument in der Datenbank: http://pttarchiv.mfk.ch/detail.aspx?ID=91196

 

 

Oktober bis November 2015

Ein Spion in Genf und ein Telegrafist unter Anschuldigung

Telegramm und weitere Archivdokumente zum Ansehen. Bitte Bild anklicken.

Am 26. September 1898 sendete ein Genfer Telegrafist für einen Kunden aus dem Telegrafenbüro (Bundesbetrieb) ein Telegramm mit anarchistischen Inhalten an die römische Zeitung „La Tribuna“. Das Telegramm enthielt unter anderem einen Brief aus Venedig an Luigi Luccheni, dem Mörder von Kaiserin Elisabeth (Sissi) von Österreich-Ungarn, sowie eine Gratulation zur Tat selber. Der Protest des Königreiches Italien liess nicht lange auf sich warten, zumal das Attentat auf Sissi nur wenige Tage zurück lag und in dem gesendeten Telegramm Morddrohungen an König Umberto von Italien standen.

Der Schweiz wurde vorgeworfen, der anarchistischen Bewegung Asyl zu bieten und jedwede Kontrolle über den Telegrafenverkehr verloren zu haben.
In der darauf folgenden Untersuchung wurde der Genfer Telegrafist, der das Telegramm akzeptiert und verschickt hatte, des fahrlässigen Handelns angeklagt. Ein  Telegramm mit einem solchen Inhalt hätte niemals verschickt werden dürfen, sondern direkt an die Behörden gelangen sollen – so die Italiener.

Doch die Sache kam vollkommen anders.

Die Untersuchungskommission des Bundes stellte fest, dass es sich bei dem Journalisten, der das Telegramm an die Italienische Zeitung aufgegeben hatte und dem Autoren des anarchistischen Briefes, um ein und dieselbe Person handelte. Nämlich um den Italienischen Spion Pierre Mantica. Ziel der ganzen Inszenierung war es, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die anarchisch/ antimonarchische Bewegung zu lenken und die Schweiz als Hort derselben zu brandmarken. Dies geschah im Hinblick auf die Internationale Konferenz für die soziale Verteidigung gegen Anarchisten, welche vom 24. November bis 21. Dezember 1898 in Rom stattfand.

Der Bundesrat und die Schweizer Presse zeigten sich ob den Ergebnissen der Untersuchung empört. Der Italienische Spitzel wurde des Landes verwiesen. Der Telegrafist gab an, er habe dieses Telegramm nicht abgelehnt, weil er sich, da er kein Italienisch spreche, über dessen Inhalt nicht im Klaren war. Sonst konnten ihm keine Verstrickungen in dieser Affäre nachgewiesen werden und, da er sich lediglich der Versendung eines „unzulässigen Telegrammes“ (Art. 26 des Telegraphen- und Telephon-Handbuches von 1891) schuldig machte, blieb es bei einer Geldbusse von 10 CHF für den Telegrafisten.

Link Datenbank: http://pttarchiv.mfk.ch/detail.aspx?ID=82459

 

 

Juli bis September 2015

Von Babyphons, Funkfahndern und Nachrichtensprechern

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Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, war im Jahr 1990 der letzte Schrei.

Funktelephone, kabellose Apparate und nicht zuletzt auch Babyphons setzten in den späten 1980ern und frühen 1990ern zu einem regelrechten Siegeszug in der Schweizer Gesellschaft  an. Diese Entwicklung bedeutete einen massiven Anstieg des Funkverkehrs der Schweiz, da ein Grossteil der neuen Geräte über Funk kommunizierte. Die Auswirkungen dieses Phänomens bekamen bald auch die PTT-Betriebe zu spüren, die  im Besitz des Monopolrechts über den Schweizer Funkverkehr waren.

Durch die Verwendung  dieser elektronischen Babystitter, den Babyphones, konnte der gesamte Funkverkehr einer  Region erheblich gestört werden: Vom Radio über den Flugverkehrsfunk bis hin zum Polizeifunk.

So war es möglich, dass Mamma und Pappa nach erfolgreichem „Ins Bett bringen“ des Babys gemütlich vor dem Fernseher sassen und ihnen plötzlich anstatt der Stimme des Nachrichtensprechers, das Weinen  ihres Kindes aus dem TV zu hören war. Doch als wär dies noch nicht Überraschung genug, konnte am nächsten Tag ein Funkfahnder der PTT vor ihrer Haustüre stehen, das besagte Babyphon beschlagnahmen und ihnen eine Busse wegen Zuwiderhandelns gegen das Funkgesetz auferlegen.

Als Reaktion auf die steigende Anzahl solcher Fälle, förderte die PTT ab 1990 den Verkauf von sogenannten „PTT bewilligten Baby-Monitoren“, welche das Funknetz nicht störte. Das Problem des „unautorisierten Babyphons“ fiel in eine Zeit, als die PTT immer stärker unter den Druck der neoliberalen Marktwirtschaft geriet. Ihre Monopolstellung wurde nicht nur im Funk- und Radiobereich  durch sogenannte Piratensender bedrängt, sondern auch bei der  Brief- und Paketpost wurden die Stimmen lauter, welche ein Ende des PTT-Monopols forderten.

Dadurch ist vielleicht das zum Teil rigorose und auch in den Medien diskutierte Durchgreifen der PTT gegen solche „Funkstörer“ zu erklären.

Weitere Informationen zum Thema Funk finden Sie auf der Website unseres Oral History Projekts, in dem Zeitzeugen aus ihrem PTT Berufsallatg sprechen: www.oralhistory-pttarchiv

Weitere Informationen zum Thema „Liberalisierung der Telekommunikation“ finden Sie unter: www.oralhistory-pttarchiv

 

 

 

Mai bis Juli 2015

Seetelefonkabel

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Mitte April 1957 verlässt ein Verlegungsschiff mit einer immensen Kabelrolle an Deck den Hafen in Luzern. Begleitet wird es von zwei Booten, der Seepolizei,  Mitarbeitern und Funktionären der PTT. Unter widrigen Wetterbedingungen  (Schnee , Regen und Nebel im Frühjahr!) verlegen die Verantwortlichen  ein Telefonkabel in den Vierwaldstättersee. Berichte, Korrespondenzen und Schwarz-Weiss Aufnahmen aus dem PTT-Archiv (T-09 BCD 0031) dokumentieren den Arbeitsprozess der Verlegung von Spissenegg nach Stansstad detailliert.

Die Teilverkabelung des Vierwaldstättersees im Jahre 1957 hatte zwei Gründe.  Die damalige Bezirkskabelanlage war durch den Bau des neuen Autobahnabschnittes Horw-Stans erheblich gefährdet. Der Schutz der Kabel hätte zu kostspieligen Sicherungsmassnahmen geführt. Da die Seekabellegung in diesem Fall preiswerter und der Bedarf an zusätzlichen Leitungen gross war, bewilligte die Telefondirektion in Bern das Projekt.

Interessanterweise verlegte die PTT 100 Jahre zuvor (1854) exakt auf dieser Strecke das erste, in den Telegrafenwerkstätten in Bern eigens hergestellte Seetelefonkabel. Es diente zur Verbindung der anschliessenden oberirdischen Telegrafenlinien Luzern-Brünig-Interlaken.

Die PTT verfügte über ein detailliertes Vorschriftenwesen zur Montage und Unterhalt von Telefonlinien (PTT-Archiv, P B-121 1962 Bd. 2a). Spleissungen (Verbindungen der Kabeladern an den Kabelenden), die in den See versenkt wurden, mussten „mit besonderer Sorgfalt“ realisiert und mit „besonderen Garnituren“ gegen den Wasserdruck geschützt werden. Wichtig bei den Verlegungsarbeiten war  auch die Verständigung zwischen Schiff und Ufer: „Es ist dienlich, vom Kabelschiff aus mit der Uferstelle über eine radiotelephonische Verbindung zu verfügen“. Jahre  vor der Entwicklung des Natels griff die PTT so auf eine mobile, kabellose Funkverbindungen zurück, um eine gelungene Kommunikation möglich zu machen. 

 

 

Januar bis Mai 2015

Briefversand per Rakete?

Abbildung 1: Postraktenversuch von Bellinzona im November 1961. PTT- Archiv, P-OO C LA 22 07:01. Zeitungsausschnitt La Suisse, 7. November 1961.

Abbildung 2: Brief des Generaldirektors V. Tuason an den Bundesrat R. Gnägi vom 29. Januar 1962 betreff Raketenpost. PTT-Archiv, P-OO C LA 22 07:01.

1962 gelangt ein Techniker aus Romanshorn mit einer Anfrage an die Generaldirektion der PTT. Er bittet um die Bewilligung einer neuen Zustellungsart für Postsendungen: Seine eigens konstruierte Postrakete soll  „500 bis 600“ Briefe über den Bodensee befördern.


Die Idee einer Postrakete, mit der Zeit bei der Zustellung gespart werden soll, ist nicht neu. Bereits Anfang der 1930er Jahre experimentierten beispielsweise die deutschen und österreichischen Postverwaltungen mit Postraketenflügen zu entlegenen Landesteilen. 


Die Position der Schweizerischen PTT im Jahr 1962 gegenüber der Postlieferung per Rakete hingegen ist kritisch. Im Brief an den Bundesrat Rudolf Gnägi argumentiert Generaldirektor Vincente Tuason, die Rakete sei „postalisch kaum von praktischem Wert“. Im Vergleich zum bestens etablierten Transportmittel Flugzeug verliere die Rakete punkto „Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Regelmässigkeit und namentlich auch Sicherheit“.


Dass die Hersteller von Raketen ein erhebliches Sicherheitsrisiko tragen, zeigt der Fall des besagten Technikers aus Romanshorn, der tragischerweise sein Augenlicht bei Versuchen mit Postraketen in seiner Wohnung verliert (Berner Tagblatt, 12. Juni 1962, PTT-Archiv, P-OO C LA 22 07:01).

Die PTT zeigt sich aber zurückhaltend, weil ein Jahr zuvor in Bellinzona der Start von Raketenpostflügen misslungen war (La Suisse, 7. November 1961, PTT- Archiv, P-OO C LA 22 07:01). Von den sieben vorbereiteten Raketen konnten drei gestartet werden. Diese landeten allerdings nach einigen hundert Metern Flug ungewollt auf dem Boden.


Auch heute beschäftigt sich die Post mit technischen Möglichkeiten der Postzustellung. So setzte sie 2014 testweise Drohnen für den Versand ein. Die Frage um effektive und effiziente Postzustellung ist damit nicht abgeschlossen.

Dezember 2014

„Weihnachtspost früh aufgeben!“ Die Kampagne „Post Early“ 1930 in Grossbritannien

Übersetzung eines Schreibens der Britischen Postverwaltung zu ihrer Aktion „Weihnachtspost beizeiten Aufgeben“. PTT-Archiv, DK-A-0499.

Die grosse Menge an Paketen und Briefen, welche zur Weihnachtszeit jeweils verschickt werden, bedeuten auch heutzutage einen grossen Mehraufwand für die Post. So wurde beispielsweise in den Tagen vor Weihnachten 2012 in den vier Paketzentren täglich die doppelte Menge an Paketen im Vergleich zu Durchschnittstagen verarbeitet.


Dieses Phänomen ist nicht neu: So zeigen Statistiken der Schweizerischen Post aus den 1930er Jahren, dass in den Weihnachtstagen in einigen Postämtern 3-Mal so viele Sendungen aufgegeben wurden, wie an einem durchschnittlichen Tag im Oktober.

Auch für die Postbetriebe anderer Länder bedeutet der Weihnachtsverkehr eine Herausforderung. Im PTT-Archiv finden sich dazu Dokumente aus England, den USA und Frankreich. Auf Werbeblättern und inoffiziellen Schreiben werben die Postverwaltungen um die „rechtzeitige“ Aufgabe der Weihnachtssendungen. Das oben abgebildete Dokument von 1930 zeigt, dass sich die PTT über diese Kampagnen im Ausland informiert hat. Es handelt sich dabei um die Übersetzung eines Schreibens, in dem die Britische Postverwaltung von ihrer „Post Early Campaign“ berichtet.

 

 

 

September bis November 2014

Neutralitäts widrig!?

Karte 1: ISAL Lausanne, Künstler und Jahr unbekannt. Auch der Kuh, mögliches Symbol für den Bauernstaat Schweiz, wird es laut der Postkarte verwehrt, neutral zu bleiben.  Auf der zensurierten Postkarte ist in rot das Aktenzeichen und P.K.K (Eidgenössischen Pressekontrollkommission) vermerkt. Die Karte befand sich im Jahr 1916 im postalischem Umlauf.
Karte 2: Obersten Affäre (siehe letzter Abschnitt). Die Karte befand sich im Jahr 1916 im postalischen Umlauf.

„Neutralitätswidrige“ Postkarten wurden während des Ersten Weltkrieges von der schweizerischen Post zensuriert. Kurz nach Kriegsbeginn waren die Poststellen angehalten worden, sich neutral zu verhalten und jegliche Sendungen, „die äusserlich irgendwelche Darstellungen, Zeichen oder Bemerkungen beschimpfenden oder unsittlichen Inhalts tragen und sich auf den Kriegszustand beziehen, sowie alle Postkarten oder andere unverschlossene Sendungen, bei denen wahrgenommen wird, dass der Inhalt für Angehörige eines der kriegführenden Länder beschimpfender Natur ist“, (Auszug aus den Verfügungen Post von 1915) der Oberpostdirektion einzusenden.

Eine Sammlung dieser zensurierten Karten befindet sich im PTT-Archiv. Von den Zensurmassnahmen betroffen waren nicht nur ausländische Postkarten mit eindeutiger hetzerischer oder nationalistischer Propaganda, sondern auch schweizerische Postkarten, deren Sujets den Behörden zu kritisch waren. Interessanterweise nehmen diese Schweizer-Sujets vor allem Bezug auf innerpolitische Themen und üben Kritik am Verhalten der eigenen politischen und militärischen Führung aus. Die Bildsprache dieser Karten bedient sich dafür oftmals beliebter Motive aus historischen Legenden: Wilhelm Tell, Helvetia, die drei Eidgenossen...

Die grosse Mehrheit der zensurierten Schweizer Postkarten stammt aus der Romandie. Die Spaltung des Landes entlang der Sprachgrenze führte dazu, dass die Westschweiz dazu neigte, den Bundesrat sowie die Armeeführung einer prodeutschen, also nicht neutralen Haltung zu beschuldigen. Punktuelle Ereignisse haben diese Meinung bekräftigt.

Ein beliebtes Motiv der Postkarten ist die Oberstenaffäre. Ende 1915 erfährt der Bundesrat, dass zwei Mitglieder des Generalstabes, Friedrich Moritz von Wattenwyl und Karl Egli, den Militärattachés Deutschlands und Österreich-Ungarns geheime Informationen zukommen liessen. Die Affäre wird publik und die Offiziere werden im Januar 1916 vor das Militärgericht gestellt. Sie werden jedoch freigesprochen und von ihren Funktionen enthoben. Diese milde Strafe entrüstet die Medien in der Romandie. 

 

 

August 2014

Telefonstatistik zeigt starke Zunahme der Anrufe und Verbot beim Kriegsausbruch 1914

Gesprächsverlauf der Zentrale Biel vom 1. Juli – 31. August 1914. PTT-Archiv, T-00 A_2989.

Im Juli 1914 geht noch alles seinen gewohnten Gang: Jeweils am Sonntag gibt es deutlich weniger Telefon-Gespräche als werktags. Dann erklärt Österreich-Ungarn am 28. Juli dem Königreich Serbien den Krieg. Aufgrund von komplizierten Bündnissystemen befinden sich wenige Tage später weite Teile Europas im Krieg.

Der Bundesrat  beschliesst am 31. Juli eine schrittweise Mobilmachung für die nächsten Tage. Die Telefonstatistik der Zentrale Biel zeigt deutliche Ausschläge bei der Bekanntgabe am 31. Juli sowie am 1. und 3. August. Am 8. August bricht die Zahl der Ferngespräche (dicke Linie) ein. Grund dafür war ein vorübergehendes Verbot des interurbanen Telefonverkehrs für Privatpersonen, das der Bundesrat am 7. August wegen der „Notwendigkeit der unbedingten Geheimhaltung der angeordneten Truppenbewegungen“ beschloss.

Am 26. August bittet die Telegrafenabteilung des Post- und Eisenbahndepartements das Militärdepartement, Schritte zur Aufhebung des Verbots einzuleiten und argumentiert: „Der Handel und Wandel, die sich an das Verkehrsmittel des Telephongespräches gewöhnt und sich demselben angepasst haben, empfinden die Einschränkung als grossen Nachteil.“ Die militärische Lage erfordere inzwischen keine Einschränkung des Telefonverkehrs mehr, und die schrittweise gewährten Ausnahmen würden den Eindruck von Willkür erwecken.

Auf Befehl des Armeekommandos wurden schliesslich am 28. August die interurbanen Gespräche in den meisten Netzgruppen wieder freigegeben, so auch in Biel, weshalb die dicke Linie in der Statistik wieder ansteigt. In den Grenzregionen wurde das Verbot jedoch weiter aufrechterhalten.

Quelle: Schreiben der Obertelegrafendirektion an das Militärdepartement mit Bitte um Aufhebung des Verbots: Bern, 26. August 1914, PTT-Archiv, T-00 A_2989.

 

 

Juli bis August 2014

Mitgehört

Bericht vom 2.9.1914 an die Obertelegrafendirektion mit Skizze und mitgehörtem Gesprächsverlauf auf einem Telegrafenstreifen. PTT-Archiv, T-00 A_2989.

Auf Wunsch der Obertelegrafendirektion in Bern verfügte der Chef des Generalstabs Ende August 1914, die beim Kriegsausbruch im Juli 1914 unterbrochene Telegrafenlinie Berlin-Mailand wieder herzustellen. Dies „mit der Einschränkung, dass unsererseits ein Apparat eingeschaltet wird, welcher das Abnehmen der durchgehenden Depeschen gestattet.“

Anfang September berichtet der beauftragte Telegrafenbeamte an die Obertelegrafendirektion, dass die Linie nun mithilfe eines Kontroll-Relais überwacht werde. Als ‚Beweis‘ klebt er den ersten mitgehörten Telegrafen-Streifen auf den Bericht, auf dem sich die Stationen Berlin und Mailand gegenseitig begrüssen (siehe Abbildung).

Weiter erklärt der Telegrafenbeamte, wie man es technisch gelöst habe, den Kontrollschalter „absolut ohne Mitwissen der beiden Endstationen“ anzubringen. So mussten beispielsweise zu grosse Spannungsschwankungen vermieden werden, da diese die deutsche und die italienische Seite auf "ungewöhnliche Vorgänge" aufmerksam gemacht hätten. Eine kleine technische Zeichnung unterstützt die Ausführungen des Telegrafenbeamten (siehe Abbildung).

Warum die Telegrafenlinie nicht über Österreich ging, erklärt diese Vorgeschichte: Auf Befehl der Armee hatte die Telegrafenverwaltung die internationale Telegrafenlinie Berlin-Mailand bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Einen Monat später, am 28. August 1914, bittet die Telegrafenverwaltung Bern die Armee auf Wunsch der deutschen und italienischen Behörden, die Verbindung wieder herstellen zu dürfen.

Die Telegrafenverwaltung in Bern argumentiert, der Verkehr auf dieser Linie würde für die Armee und die Neutralität der Schweiz keine Gefährdung darstellen und einzig dazu führen, dass der Telegrafenverwaltung beträchtliche Einnahmen entgingen, da der Telegrammverkehr nun einfach über Österreich laufen würde. Der Generalstab nahm diesen Vorschlag mit dem oben aufgeführten Zusatz an.

 

 

 

Mai bis Juli 2014

Expo '64

Gutschein für ein internationales Telephongespräch (für Auslandschweizer) : PTT-Archiv, Vers-049 A.0001:9

 

Rundtheater und „Gratistelephon für Auslandschweizer“ an der Expo 64 (30.4.-25.10.1964)

Die Expo 64 in Lausanne stand unter dem Motto Die Schweiz von morgen, Erkennen und Schaffen. Auch der PTT-Pavillon stand ganz im Banne der Zukunft.

In einem kreisförmigen Theater, bei dem sich der Zuschauerraum drehte, wurde  modernste Technik wie Fernmeldesatelliten oder eine vollautomatische Briefbearbeitungsanlage präsentiert. Für den Einsatz solcher Sortieranlagen war die Einführung von Postleitzahlen notwendig, die ebenfalls an der Expo vorgestellt wurden.

Während  das Schweizer Telefonnetz bereits seit längerem vollautomatisch funktionierte, wurde damals die Automatisierung der internationalen Verbindungen in Angriff genommen. An der Expo konnten an einer Telefonstation Auslandgespräche geführt werden, und die PTT offerierten „den die Landesausstellung besuchenden Auslandschweizern und ihren Familien als Sympathie-Geste ein dreiminütiges Gratis-Telephongespräch mit ihrem Wohnsitz im Ausland.“

März bis Mai 2014

Schreiben der Schweizerischen Oberpostdirektion betreffend Bewilligung von freien Tagen zum Anbau von Pflanzland. PTT-Archiv, P-08 A 0008:12

Der Lenz ruft!

Das milde, sonnige Wetter lockt Herr und Frau Schweizer aus dem Winterschlaf in die Gärtnereien. Jetzt wird wieder angepflanzt. Was heutzutage oft liebevoll als Hobby im eigenen Heim gepflegt wird, war jedoch während des Ersten Weltkrieges bittere Notwendigkeit um dem Ernährungsnotstand entgegenzuwirken, der 1918 trotz Rationierung nicht verhindert werden konnte.

Vor diesem Hintergrund ist das Schreiben der Schweizerischen Oberpostdirektion an die Kreispostdirektion Zürich vom 10. April 1918 zu sehen. Darin verfügte sie, dass dem Personal, welches nachweisbar für landwirtschaftliche Arbeiten freie Zeit benötigte, in erster Linie durch Verschiebung von Diensttouren und von Ruhe- und Urlaubstagen nach Möglichkeit entgegenzukommen sei.

Um die Beamten und Angestellten, die kein eigenes Pflanzland besassen, nicht zu benachteiligen, wurde die Gewährung von ganzen oder halben Freitagen, über die ordentlichen Ruhetage hinaus, jedoch abgelehnt. Lediglich der Bezug von einzelnen unbezahlten Stunden oder halben Tagen wurde zur Erleichterung der Anpflanzungsarbeiten genehmigt.

Januar bis März 2014

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesucht!

Haben Sie bei der PTT gearbeitet? Haben Sie die Umbruchphase Ende der 1990er Jahre als PTT-Angestellte oder Angestellter miterlebt? Haben Sie besondere Erinnerungen an Ihre Arbeitszeit bei der PTT, die Sie gerne der Öffentlichkeit mitteilen möchten? Waren Sie in einem Bereich tätig, den es heute nicht mehr gibt? Ist Ihnen eine Anekdote aus Ihrem Arbeitsalltag besonders geblieben? Oder waren Sie regelmässig Kunde bei der PTT? Haben Sie die Liberalisierungsphase auf der Kundenseite miterlebt?

Das PTT-Archiv ist auf der Suche nach Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der ganzen Schweiz. Die Interviews sollen die vielseitigen Tätigkeiten und Berufsrichtungen der PTT wiederspiegeln: Der Arbeitsalltag ist dabei ebenso wichtig wie aussergewöhnliche Begebenheiten. Die Ergebnisse der Gespräche werden im PTT-Archiv archiviert und dienen damit der Wissenschaft sowie einem breiten öffentlichen Interesse.

Fühlen Sie sich angesprochen? Dann freuen wir uns sehr auf Ihr Schreiben!