Ausstellung «Mixtapes»

Porträt Aretius.
Erinnerungsträger und Kommunikationsmedium
Selbst überspielte Musikkassetten sind Archive der Erinnerung: an einen besonderen Menschen, an bestimmte Situationen und an starke Emotionen. Mixtapes übermitteln auf subtile Weise damit verbundene Botschaften. Sie sind aber auch Teil der Selbstdarstellung. Der Austausch von Mixtapes ist ein hoch kommunikativer Vorgang und gestaltet zwischenmenschliche Beziehungen. Der ideelle Wert der Kassette übersteigt oft ihren materiellen: Ein Mixtape ist ein kreatives Geschenk mit einer persönlichen Note.
Ein Stück Popkultur
Wichtigste Voraussetzung für die Mixtapeproduktion ist das Jagen und Wildern – das Suchen und Sam-
meln von Musikstücken, Abbildungen oder Zeitungs-
schnipseln aus dem Angebot der Konsumgesell-
schaft. Das kulturelle Potenzial liegt in der Verdichtung des eigenen Musikgeschmacks auf 60 oder 90 Minuten, in einer Collage aus Melodien, Bildern und Texten. Diese im besten Sinne des Wortes verstandene laienhafte Kreativität ist typisch für unseren Umgang mit Popmusik und Popkultur. Mit der Musikkassette hebt die «Generation Mixtape» seit nunmehr 30 Jahren die klassische Rollenverteilung zwischen Produzent und Konsument auf.
20 Interviews in der Ausstellung dokumentieren die Bedeutung der Mixtapes für die Popkultur. Und sie zeigen, dass die Audiokassette – vor dem Hintergrund digitaler Musiktauschbörsen im Internet und kostengünstigem Brennen von CDs am heimischen Computer – auch heute noch so «cool» sein kann, wie es die Werbeanzeigen von Maxell, TDK oder Sony in den 1980er-Jahren suggerierten.


weiter

